Über das Werk
Vincenzo Bellinis Oper in zwei Akten mit einem Libretto von Felice Romani wurde am 26. Dezember 1831 an der Mailänder Scala uraufgeführt – der erste Abend geriet zum Fiasko, was Bellini feindseligen Parteigängern zuschrieb. Binnen Wochen wurde Norma als Meisterwerk anerkannt und zu Bellinis größtem Werk. Die Oper spielt im römisch besetzten Gallien um 50 v. Chr. und verbindet den Belcanto-Stil mit einer dramatischen Wucht, die die Verdi'sche Tragödie vorwegnimmt.
Handlung
Norma, die Hohepriesterin der Druiden, hat heimlich zwei Kinder mit dem römischen Prokonsul Pollione zur Welt gebracht und damit ihr Keuschheitsgelübde gebrochen. Sie erfährt, dass Pollione nun die junge Priesterin Adalgisa liebt, die ahnungslos bei Norma Rat über ihre heimliche Liebe sucht. In der großen Szene der Erkenntnis entdecken die beiden Frauen ihren gemeinsamen Verräter und schließen einen Bund. Im Zorn erwägt Norma, ihre eigenen Kinder zu töten, bringt es aber nicht über sich. Sie ruft zum Krieg gegen Rom auf und klagt sich schließlich vor dem versammelten Volk selbst als die schuldige Priesterin an. Pollione, von ihrem Opfer ergriffen, besteigt mit ihr den Scheiterhaufen.
Kulturelle Bedeutung
Norma gilt als die höchste Belcanto-Tragödie und enthält mit „Casta diva" eine der gefeiertsten Sopranarien des Repertoires. Die Titelrolle wird weithin als die anspruchsvollste aller Belcanto-Partien angesehen und verlangt über drei Stunden außergewöhnliche Atemführung, Koloraturgeläufigkeit und dramatische Intensität. Maria Callas' legendäre Interpretationen der 1950er-Jahre retteten das Werk vor dem Vergessen und begründeten die moderne Aufführungstradition. Seither ist die Rolle mit Joan Sutherland, Montserrat Caballé und in jüngerer Zeit Anna Netrebko und Sondra Radvanovsky verbunden.
