Über das Werk
Bertolt Brechts „Mutter Courage und ihre Kinder" entstand 1939 im schwedischen Exil und wurde 1941 in Zürich uraufgeführt. Das Stück gilt als das wichtigste Anti-Kriegs-Drama des 20. Jahrhunderts. Brecht verlegte die Handlung in den Dreißigjährigen Krieg, als Allegorie auf den drohenden Zweiten Weltkrieg.
Handlung
Schweden, 1624. Die Marketenderin Anna Fierling, genannt „Mutter Courage", zieht mit ihrem Planwagen, ihren drei Kindern Eilif, Schweizerkas und der stummen Kattrin durch die Schlachtfelder Mitteleuropas. Sie hofft, mit dem Krieg ihr Geschäft zu machen — und ihn durch Geschäft zu überleben. Eilif, der mutige Sohn, wird vom schwedischen Werbeoffizier rekrutiert und in eine Heldentat geködert; später, im Frieden, wird er für eben diese Tat hingerichtet. Schweizerkas, der ehrliche Sohn, wird Zahlmeister bei den Schweden; als die Kaiserlichen das Lager überfallen, will Mutter Courage die Regimentskasse retten und feilscht zu lange — Schweizerkas wird erschossen. Mutter Courage muss seine Leiche verleugnen, damit man sie nicht als Mutter erkennt. Die stumme Kattrin schließlich, beim Überfall auf Halle, trommelt vom Dach eines Bauernhofs, um die Stadt zu warnen — und wird erschossen. Mutter Courage zieht allein mit ihrem leeren Wagen weiter und singt: „Das Frühjahr kommt. Wach auf, du Christ! / Der Schnee schmilzt weg, die Toten bleiben."
Kulturelle Bedeutung
Mutter Courage ist Brechts berühmtestes Stück und Schlüsselwerk des epischen Theaters. Helene Weigel — Brechts Frau — prägte die Rolle so stark, dass sie als Inbegriff der Courage gilt. Die Berliner Ensemble-Inszenierung 1949 mit ihr war Brechts theaterhistorischer Durchbruch in Deutschland. Paul Dessaus Musik prägt die Lieder. Das Werk ist auf deutschen und internationalen Bühnen Standard; eine berühmte Produktion mit Meryl Streep im Public Theater New York 2006 zeigte die Vitalität des Stücks im 21. Jahrhundert.
