Über das Werk
Arnold Schönbergs unvollendete Oper „Moses und Aron" wurde 1957 — postum nach Schönbergs Tod 1951 — in Zürich uraufgeführt. Schönberg arbeitete von 1923 bis 1932 an dem Werk; nur die ersten zwei der drei geplanten Akte wurden vollständig vertont. Die Sprache ist Schönbergs Zwölftonsystem, der Stoff: das alttestamentliche Drama um Mose, den Wortprediger, und seinen Bruder Aaron, den Bilderschaffer.
Handlung
Akt I: Moses am brennenden Dornbusch — Gott (vierfacher Sprechchor mit sechs Solisten) beauftragt ihn, das Volk Israel aus Ägypten zu befreien. Moses gesteht, er sei „der Sprache nicht mächtig" — seine Idee Gottes ist abstrakt, unaussprechbar. Sein älterer Bruder Aaron wird ihm als „Mund" zugeordnet — der Bilder, Wunder und Reden produzieren kann. Vor dem Volk demonstriert Aaron die Gottesidee mit Wundern (Stab zu Schlange, Hand zu Aussatz, Wasser zu Blut). Das Volk folgt. Akt II: Mose ist auf dem Berg Sinai 40 Tage abwesend, das Volk verzweifelt. Aaron lässt aus dem Gold der Frauen das Goldene Kalb gießen — orgiastische Anbetungs-Szene mit Tanzmusik, sexueller Ekstase, vier Menschen-Opfern, Selbst-Verstümmelungs-Tanz. Mose kehrt zurück, zerstört das Kalb. Im Streitgespräch verteidigt Aaron das Bild als nötig — das Volk braucht etwas Sichtbares. Mose verzweifelt: „O Wort, du Wort, das mir fehlt!" — und das Werk bricht ab. Akt III sollte Moses' Tod bringen; er existiert nur als Text-Fragment, das oft als gesprochenes Epilog angefügt wird.
Kulturelle Bedeutung
Moses und Aron ist Schönbergs Hauptwerk und gilt als eine der bedeutendsten Opern des 20. Jahrhunderts — trotz oder gerade wegen ihrer Unvollendetheit. Die Oper thematisiert das jüdische Bilderverbot und die unaussprechbare Idee Gottes — Themen, die nach 1933 für den jüdischen Schönberg existenziell wurden. Die orgiastische Goldenes-Kalb-Szene gehört zu den ehrgeizigsten Tanz-Chor-Tableau-Szenen der gesamten Operngeschichte. Inszenierungen Pierre Boulez/Patrice Chéreau (Pariser Opéra 1973), Hans Neuenfels und Reto Nickler haben das Werk im Repertoire fest verankert.
