Über das Werk
Gotthold Ephraim Lessings Lustspiel „Minna von Barnhelm oder das Soldatenglück" erschien 1767 und wurde im selben Jahr in Hamburg uraufgeführt. Es gilt als erste moderne deutsche Komödie und als Gründungswerk des bürgerlichen, aufgeklärten Theaters. Lessing verlegte die Handlung bewusst in die unmittelbare Gegenwart kurz nach dem Siebenjährigen Krieg und schuf damit erstmals ein zeitgenössisches deutsches Gesellschaftsstück von europäischem Rang.
Handlung
Berlin, 1763, kurz nach Ende des Siebenjährigen Krieges. Der preußische Major von Tellheim ist nach dem Krieg unter dem Verdacht der Bestechlichkeit ehrlos verabschiedet worden — in Wahrheit hatte er aus eigener Tasche Geld vorgestreckt, um eine sächsische Gemeinde vor Kriegsabgaben zu bewahren. Verbittert und mittellos lebt Tellheim in einem Gasthof und verweigert aus verletztem Ehrgefühl jeden Kontakt zu seiner früheren Verlobten, der reichen Sächsin Minna von Barnhelm. Minna reist mit ihrer klugen Zofe Franziska nach Berlin, um ihn zu finden. Sie durchschaut die Lage sofort: Tellheim will die Verlobung lösen, weil er nun arm ist. Daraufhin inszeniert Minna ein geistreiches Gegenspiel — sie gibt vor, selbst enterbt und verarmt zu sein, damit Tellheim, der ihren Reichtum niemals annehmen würde, ihr nun in vermeintlicher Not beistehen darf. Das umgekehrte Spiel zwingt ihn, seinen eigenen Stolz zu erkennen. Da trifft ein Brief des preußischen Königs ein: Tellheim ist rehabilitiert und in seine Ehre wiedereingesetzt. Minna gibt ihm den Ring zurück, Tellheim weigert sich — das Lustspiel endet in glücklicher Umarmung.
Kulturelle Bedeutung
Minna von Barnhelm ist das Gründungswerk der deutschen bürgerlichen Komödie und gehört im deutschsprachigen Raum zur festen Schullektüre. Gemeinsam mit Lessings „Hamburgischer Dramaturgie" markierte das Stück den Aufstieg eines deutschen Nationaltheaters. Auf deutschen Bühnen wird es ununterbrochen gespielt; moderne Inszenierungen von Jürgen Gosch und Andreas Kriegenburg haben der Komödie eine melancholischere Lesart gegeben.
