Über das Werk
Euripides' Tragödie „Medea" wurde 431 v. Chr. uraufgeführt und gewann nur den dritten Preis bei den Großen Dionysien — wurde aber im Lauf der Antike zu einem der meistdiskutierten Stücke des griechischen Theaters. Die Geschichte der barbarischen Königstochter, die ihre eigenen Kinder tötet, hat Generationen von Bearbeitern fasziniert.
Handlung
In Korinth lebt Medea mit ihrem Mann Jason und zwei Söhnen im Exil. Jason hat ihr alles zu verdanken — sie hat ihm in Kolchis das Goldene Vlies erlangen geholfen, ihren Vater verraten, ihren Bruder ermordet, alles aus Liebe. Nun will Jason sie verlassen und die Tochter des korinthischen Königs Kreon heiraten. Kreon verbannt Medea aus Korinth, gewährt ihr aber einen Tag Aufschub. Diesen Tag nutzt Medea zur Rache. Sie schickt ihrer Rivalin ein vergiftetes Hochzeitsgewand und Diadem, an dem die Königstochter und ihr Vater grauenhaft sterben. Dann tötet Medea ihre eigenen zwei Kinder — um Jason die letzte Bindung zu nehmen. Im Wagen ihres Großvaters Helios entflieht sie, die Leichen der Kinder bei sich, in den Himmel, während Jason verzweifelt zurückbleibt.
Kulturelle Bedeutung
Medea ist eines der provokantesten Werke der Weltliteratur, ein Stück über das Recht der Frau, die Ehre des Fremden, die Politik der Geschlechter. Die Schlussfahrt im Götterwagen — Medea als Übermensch, dem keine menschliche Gerechtigkeit mehr beikommt — gehört zu den umstrittensten Theatermomenten überhaupt. Bearbeitungen reichen von Seneca, Corneille, Grillparzer (1820), Anouilh (1946), Heiner Müller (Medeamaterial 1982) bis Christa Wolf (Medea-Stimmen 1996).
