Über das Werk
Major Barbara ist ein Schauspiel in drei Akten von George Bernard Shaw, uraufgeführt 1905 in London. Die scharfsinnige Diskussionskomödie stellt die provokante Frage nach dem Verhältnis von Moral, Armut und Geld und ist typisch für Shaws Kunst, gesellschaftliche Debatten in funkelnde Dialoge zu fassen.
Handlung
Barbara Undershaft ist Majorin der Heilsarmee und widmet ihr Leben der Rettung der Armen. Ihr entfremdeter Vater Andrew Undershaft hingegen ist ein steinreicher Waffenfabrikant. Im Streit um den rechten Weg zur Verbesserung der Welt schließen Vater und Tochter eine Wette: Jeder soll die Welt des anderen besuchen. Als Barbara erkennen muss, dass die Heilsarmee bereitwillig das Geld von Schnapsbrennern und Waffenhändlern annimmt, gerät ihr moralisches Weltbild ins Wanken. Undershaft argumentiert, Armut sei das größte Übel – und wahre Moral beginne erst, wenn der Hunger besiegt ist.
Kulturelle Bedeutung
Major Barbara ist eines von Shaws bedeutendsten Ideendramen und besticht durch seine paradoxe These, dass wirtschaftliche Macht und Wohlstand die Voraussetzung für jede wirksame Moral seien. Mit Witz und intellektueller Schärfe stellt Shaw fromme Wohltätigkeit und kapitalistische Realität gegeneinander, ohne einfache Antworten zu geben. Das Stück gehört zum festen Repertoire und gilt als Musterbeispiel für Shaws unbequeme, dialektische Dramaturgie.
