Über das Werk
Johann Sebastian Bachs „Magnificat" (BWV 243) entstand 1723 in Leipzig — als eines der ersten Werke seiner dortigen Amtszeit als Thomaskantor. Eine erste Fassung in Es-Dur mit eingeschalteten Weihnachts-Sätzen wurde Weihnachten 1723 aufgeführt; die später revidierte D-Dur-Fassung (1733) ist die heute gespielte Standard-Version.
Handlung
Das Werk vertont in Latein den Lobgesang Marias aus dem Lukas-Evangelium 1, 46-55 — den Marien-Hymnus, den Maria nach der Verkündigung der bevorstehenden Geburt Christi spricht. Die Vertonung umfasst zwölf Sätze in einer kompakten halbstündigen Form: das jubelnde Eingangs-Chor „Magnificat anima mea Dominum", die Sopran-Arie „Et exsultavit", das schlichte Sopran-Solo „Quia respexit" mit Oboe d'amore, der Chor „Omnes generationes", die Bass-Arie „Quia fecit mihi magna", das Alt-Tenor-Duett „Et misericordia", der Chor „Fecit potentiam", die Tenor-Arie „Deposuit potentes", die Alt-Arie „Esurientes" mit zwei Flöten, das Trio „Suscepit Israel" mit Oboen und cantus firmus „Tonus peregrinus", die Doppelfuge „Sicut locutus est" und das Schluss-Doxologie-Chor „Gloria Patri" mit triumphalem Wieder-Aufgreifen des Eröffnungs-Materials.
Kulturelle Bedeutung
Bachs Magnificat ist eines der populärsten Bach-Werke und steht oft auf Konzertprogrammen, da es eine vollständige Bach-Erfahrung in nur 30 Minuten bietet. Es ist Bachs einzige lateinische Mass-/Hymnus-Vertonung neben der h-Moll-Messe. Die jubelnde Eingangs-Komposition ist eine der mitreißendsten Eröffnungen der Bach-Literatur. Aufführungen erfolgen oft im Advent oder zur Weihnachtszeit, was historisch nicht zwingend war. Standardaufnahmen unter John Eliot Gardiner, Philippe Herreweghe, Masaaki Suzuki, Ton Koopman.
