Über das Werk
Aristophanes' Komödie „Lysistrata" wurde 411 v. Chr. uraufgeführt — mitten im Peloponnesischen Krieg, als Athen nach der katastrophalen Sizilien-Expedition geschwächt war. Das Stück ist die berühmteste antike Anti-Kriegs-Komödie und enthält in der Anti-Sex-Streik-Idee einen der ältesten weiblichen Solidaritäts-Plots der Theatergeschichte.
Handlung
Die Athenerin Lysistrata ruft die Frauen aller griechischen Staaten zu einer geheimen Versammlung auf der Akropolis. Ihr Plan: Bis die Männer Frieden schließen, verweigern alle Frauen — Athenerinnen, Spartanerinnen, Boiotierinnen — ihren Männern jeden Geschlechtsverkehr. Die Frauen, anfangs zögerlich, schwören den Eid. Sie besetzen die Akropolis und damit die Staatskasse, ohne die der Krieg nicht weitergeführt werden kann. Die Männer kommen einzeln und in Gruppen, sexuell verzweifelt; in karikatural übertriebenen Szenen versuchen sie, ihre Frauen zurückzubekommen. Schließlich treffen sich Athenische und Spartanische Gesandte, beide ebenso erregt, und schließen unter Lysistratas Vermittlung Frieden — präsentiert als Allegorie der nackten Diallage (Versöhnung).
Kulturelle Bedeutung
Lysistrata ist eines der populärsten antiken Stücke und seit dem 20. Jahrhundert das Leitstück feministischer und anti-militaristischer Inszenierungen. Die Aufführungsgeschichte reicht von „Lysistrata"-Lesungen während des Vietnamkriegs bis zur globalen „Lysistrata Project"-Aktion 2003 (gegen den Irak-Krieg, in 59 Ländern simultan gelesen). Die formale Eleganz — Frauen-Chor und Männer-Chor in scharfem Kontrapunkt — bleibt theatralisch packend.
