Über das Werk
Live ist ein Kameraballett von Hans van Manen aus dem Jahr 1979, uraufgeführt vom Nationale Ballet in Amsterdam. Es war eines der ersten Ballette, die Live-Filmaufnahmen zum festen Bestandteil der Aufführung machten: Ein Kameramann filmt eine Tänzerin – und das Publikum – aus nächster Nähe, die Schwarz-Weiß-Bilder werden groß auf die Bühne projiziert. Getanzt wird zu Musik von Franz Liszt.
Handlung
Live erzählt die Geschichte einer Trennung. Ein Kameramann betritt die Bühne, nimmt eine bereitliegende Kamera und richtet sie zunächst auf die Zuschauer, die so ihrer eigenen voyeuristischen Rolle gewahr werden. Eine Frau erscheint und wird in Großaufnahme gefilmt – eine Hand, ein Fußspann, ein Blick –, ein Mann kommt und geht. Die Kamera folgt der Tänzerin bis ins Foyer, wo das letzte Duett stattfindet, ehe er sie verlässt. Nähe und Distanz, Blick und Beobachtetsein werden zum eigentlichen Thema.
Kulturelle Bedeutung
Mit Live erweiterte Hans van Manen, einer der einflussreichsten Choreografen der Niederlande, das Ballett um das Medium der Live-Kamera und nahm damit Fragen von Wahrnehmung, Voyeurismus und medialer Vermittlung vorweg, die erst Jahrzehnte später allgegenwärtig wurden. Das Stück gehört zu den vielgespielten Werken seines rund 150 Ballette umfassenden Schaffens.
