Über das Werk
Claudio Monteverdis „L'incoronazione di Poppea" wurde 1643 in Venedig uraufgeführt — Monteverdis letzte Oper, in seinem 76. Lebensjahr komponiert. Das Libretto Giovanni Francesco Busenellos ist die erste Oper der Geschichte, die einen historisch belegten Stoff (Tacitus' „Annalen") behandelt — und zugleich die erste, in der die Bösen siegen.
Handlung
Rom unter Kaiser Nero, 65 n. Chr. Im Vorspiel streiten die Allegorien Fortuna, Virtus und Amor — Amor (Liebe) prahlt, sie sei mächtiger als Tugend und Schicksal. Die Handlung wird das beweisen. Poppea, die Geliebte des Senators Ottone, hat den Kaiser Nerone betört. Ottone kommt morgens an Poppeas Haus zurück und findet zwei kaiserliche Soldaten auf Wache; er erkennt: Sie ist seine geworden. Poppea drängt Nerone zur Heirat — Hindernisse: Senecas philosophische Mahnung, die Kaiserin Ottavia, Ottones Verzweiflung. Nerone befiehlt Senecas Tod, der ruhig in der Wanne sich die Adern öffnen lässt. Ottavia befiehlt Ottone unter Todesdrohung, Poppea zu ermorden. Ottone, in Drusilla (die ihn liebt) verkleidet, schleicht ans Bett, doch Amor beschützt Poppea. Ottone und Drusilla werden gefasst — Nerone verbannt beide und Ottavia. Die Schluss-Szene: Krönung Poppeas zur Kaiserin und ihr berühmtes Liebes-Duett mit Nerone — „Pur ti miro, pur ti godo" — eines der schönsten Liebes-Duette der Operngeschichte.
Kulturelle Bedeutung
L'incoronazione di Poppea ist die wichtigste Oper des Frühbarocks und ein Schlüssel-Moment der Operngeschichte: Das Schluss-Duett „Pur ti miro" ist möglicherweise nicht von Monteverdi selbst, sondern von einem seiner Schüler (Cavalli oder Sacrati) — die Echtheits-Frage gehört zu den großen offenen Fragen der Musikwissenschaft. Aufnahmen unter Nikolaus Harnoncourt (1974), René Jacobs, William Christie sind Referenzen. Inszenierungen David Aldens, Robert Wilsons, Krzysztof Warlikowskis haben das Werk im modernen Repertoire fest verankert.
