Über das Werk
Johann Wolfgang von Goethes Singspiel in vier Akten wurde 1777 zur Geburtstagsfeier der Herzogin Luise von Sachsen-Weimar am Weimarer Hoftheater uraufgeführt. Das Werk ist bemerkenswert als eines der frühesten deutschen Theaterstücke, das sich explizit mit psychischer Erkrankung und therapeutischem Rollenspiel beschäftigt. Die Musik stammt von Carl Friedrich Siegmund von Seckendorff.
Handlung
Die junge Lila glaubt, ihr Ehemann Sternthal sei tot, und zieht sich in eine wahnhafte Welt zurück, in der sie Dämonen und Feen begegnet. Der Doktor Verazio verschreibt eine ungewöhnliche Therapie: Ihre Familie und Freunde sollen sich als die imaginären Wesen verkleiden und Lila durch die eigene Wahnwelt hindurchführen, bis sie Sternthal — tatsächlich am Leben — inmitten dieser inszenierten Fantasie wiedererkennt. Das Theater wird zur Heilung.
Kulturelle Bedeutung
Lila ist Goethes unerwartetste und modernste Festspiel-Erfindung — das Konzept der Psychodrama-Therapie durch inszenierte Illusion nimmt Techniken vorweg, die Jacob Moreno erst 150 Jahre später klinisch etablieren würde. Das Werk wurde von Goethe selbst hoch geschätzt und mehrfach überarbeitet. Wiederaufführungen in den letzten Jahrzehnten durch Festivals und Opernhäuser haben die psychotherapeutische Avantgarde-Qualität des Stücks neu ins Licht gerückt.
