Leben des Galilei
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Leben des Galilei

Bertolt Brecht
Theater · 1943

Über das Werk

Bertolt Brechts „Leben des Galilei" entstand 1938-39 im dänischen Exil; eine erste Fassung wurde 1943 in Zürich uraufgeführt. Brecht überarbeitete das Stück nach dem Atombombenabwurf auf Hiroshima 1945 grundlegend (zweite, „amerikanische" Fassung mit Charles Laughton, Los Angeles 1947) und schuf damit eines der bedeutendsten Stücke über Wissenschaft, Macht und Verantwortung.

Handlung

Padua/Florenz/Rom, 1609-1633. Galileo Galilei, in Padua als Mathematik-Lehrer schlecht bezahlt, hört von einer holländischen Erfindung — dem Fernrohr — und konstruiert seine eigene, leistungsfähigere Version. Mit dieser entdeckt er die Jupitermonde und beweist damit das kopernikanische Weltbild. Er zieht nach Florenz an den Hof der Medici, in der Hoffnung auf Förderung. Die Inquisition zwingt ihn zum Schweigen, doch er forscht heimlich weiter. Sein Schüler Andrea Sarti glaubt an ihn. Im Karneval feiern Bauern und Bürger den „Mann, der die Erde bewegt" — die katholische Kirche reagiert mit Verfolgungs-Vorbereitung. Galilei wird vor das Tribunal der Inquisition geführt, gezeigt die Folterinstrumente, und widerruft seine Lehre öffentlich. Andrea ist erschüttert: „Unglücklich das Land, das Helden nötig hat." Galilei: „Nein, unglücklich das Land, das Helden nötig hat." Im Schlussbild übergibt der gealterte, halberblindete Galilei heimlich Andrea sein neues Werk „Discorsi", das er trotz Hausarrest geschrieben hat — die Wahrheit setzt sich gegen die Macht durch.

Kulturelle Bedeutung

Galilei ist Brechts gedanklich dichtestes Drama und prägende Vorlage für das moderne „Wissenschafts-Theater" (Friedrich Dürrenmatts „Die Physiker", Heinar Kipphardts „In der Sache J. Robert Oppenheimer"). Charles Laughton spielte 1947 in Los Angeles die englische Fassung; Ernst Busch und Charles Laughton prägten die Rolle. Brechts politische Schlussfolgerung — der Wissenschaftler trägt Verantwortung für die Folgen seiner Entdeckungen — wurde nach Hiroshima zur Pflichtfrage. Das Stück gehört zum Pflichtkanon deutscher Bühnen.

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