Über das Werk
Dmitri Schostakowitschs zweite Oper „Lady Macbeth von Mzensk" wurde 1934 in Leningrad uraufgeführt und war zwei Jahre lang ein triumphaler Erfolg, bis Stalin eine Aufführung 1936 besuchte und die Prawda mit dem berüchtigten Artikel „Chaos statt Musik" reagierte. Das Libretto basiert auf Nikolai Leskows Novelle (1865) und schildert eine Mörderin in der Provinz des 19. Jahrhunderts.
Handlung
Katerina Ismailowa langweilt sich als junge Frau des reichen Kaufmanns Sinowi in der Provinz Mzensk. Während ihr Mann verreist ist, beginnt sie eine Affäre mit dem neuen Knecht Sergei. Ihr Schwiegervater Boris ertappt sie und droht, alles aufzudecken — Katerina vergiftet ihn mit Pilzen. Als Sinowi heimkehrt und Sergei in Katerinas Schlafzimmer findet, erwürgen die Liebenden gemeinsam den Ehemann und mauern die Leiche im Keller ein. Bei der Hochzeit Katerinas mit Sergei findet ein Bauer den Toten; Polizei verhaftet beide. In Sibirien auf dem Weg ins Straflager wendet sich Sergei einer anderen Gefangenen, Sonjetka, zu. Katerina ertränkt Sonjetka und sich selbst in einem eiskalten Fluss.
Kulturelle Bedeutung
Lady Macbeth von Mzensk ist nach „Wozzeck" die wichtigste Oper des frühen 20. Jahrhunderts und Schostakowitschs persönlichstes Bühnenwerk. Die brutalen Vergewaltigungs- und Liebesszenen, die schonungslose Sozialkritik und die expressionistische Klangsprache machten das Werk zur Zielscheibe der stalinistischen Zensur — Schostakowitsch komponierte danach 25 Jahre keine Oper mehr. Eine entschärfte Fassung „Katerina Ismailowa" (1962) ist heute kaum noch zu hören; meistgespielt ist die Originalfassung.
