Kehraus um St. Stephan
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Kehraus um St. Stephan

Ernst Krenek
Oper · 1990

Über das Werk

Kehraus um St. Stephan ist eine Satire mit Musik in zwei Teilen (19 Szenen) von Ernst Krenek nach eigenem Libretto, die er im Sommer 1930 unter großem Zeitdruck komponierte. Der Leipziger Kapellmeister Gustav Brecher nahm das Stück zunächst für eine Uraufführung an, zog seine Zusage jedoch zurück, weil er angesichts der politischen Lage einen Skandal fürchtete – auch wegen einer Figur, des Berliner Kapitalisten Kabulke, der ursprünglich den jüdischen Namen Goldstein trug und Sätze über kommende NS-Kriegspläne sprach. Erst am 6. Dezember 1990, wenige Wochen vor Kreneks Tod und in seiner Anwesenheit, wurde das Werk am Wiener Ronacher im Rahmen des Festivals „Wien modern“ uraufgeführt.

Handlung

Zwischen Wiener Stadtzentrum und einem Heurigenlokal im Wienerwald zeichnet die Satire das Wien der Jahre 1918 bis 1928 nach: Nachkriegschaos, Opportunismus, Korruption und politischer Radikalismus prallen aufeinander, während eine Liebesgeschichte als roter Faden durch die 19 Szenen führt. Figuren aus allen politischen Lagern werden dabei gleichermaßen der Lächerlichkeit preisgegeben.

Kulturelle Bedeutung

Die sechzig Jahre verspätete Uraufführung macht Kehraus um St. Stephan zu einem seltenen Zeitdokument: Das Werk griff mit seiner Kritik an Rechten wie Linken schon 1930 Themen auf, die erst mit dem Nationalsozialismus volle Wucht entfalteten, weshalb selbst mögliche Verbündete wie Brecher es als zu riskant mieden. Musikalisch reicht die Spannweite von Wiener Schrammelmusik bis zu expressionistischer Tonsprache; nach der Uraufführung 1990 folgten Produktionen bei den Bregenzer Festspielen und am Luzerner Theater (beide 2008) sowie an der Volksoper Wien (2009/10).

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