Kaspar
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Kaspar

Peter Handke
Theater · 1968
PostdramatikSprachkritikAvantgarde

Über das Werk

Peter Handkes Sprachstück wurde 1968 am Theater am Turm in Frankfurt und an den Städtischen Bühnen Oberhausen parallel uraufgeführt. Das Werk gilt als Schlüsseltext der deutschen Nachkriegsdramatik und verarbeitet die historische Figur Kaspar Hausers zu einer radikalen Reflexion über Sprache, Sozialisation und Fremdbestimmung. Handke war bei der Uraufführung 26 Jahre alt.

Handlung

Ein Mensch — Kaspar — betritt die Bühne und kann nur einen einzigen Satz sprechen: Ich möcht ein solcher werden wie einmal ein anderer gewesen ist. Unsichtbare Einsager, die Handke als Stimmen aus dem Off konzipiert, beginnen ihn zu dressieren. Sie bringen ihm Sprache bei, zerstören seinen Satz, formen ihn zu einem sprachfähigen, aber ausgehöhlten Wesen. Je mehr Sätze Kaspar beherrscht, desto weniger ist er er selbst. Am Ende spricht Kaspar perfekt korrektes Deutsch — und ist zu einer leeren Hülle geworden, die nur noch wiederholt, was ihm eingesagt wurde.

Kulturelle Bedeutung

Kaspar ist eines der meistgespielten deutschsprachigen Stücke der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts und prägte das Sprechtheater nachhaltig. Die Parallelen zu Michel Foucaults Diskurstheorie und zur Noam-Chomsky-Sprachphilosophie sind unverkennbar. Das Stück wurde zum Manifest einer Generation, die misstrauisch gegenüber jeder Form von Indoktrination wurde — ob durch Medien, Staat oder Familie. Peymann inszenierte Kaspar mehrfach. Das Werk gehört zum Standardrepertoire der Theaterhochschulen.

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Kommende Aufführungen
Schauspielhaus Köln · Köln
31. Oktober 2026 · 4×
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