Über das Werk
Julius Caesar (frühneuenglisch The Tragedy of Iulius Cæsar) ist ein Schauspiel von William Shakespeare. Das Werk handelt von den Umständen der Ermordung Gaius Iulius Caesar und dem Schicksal von Marcus Iunius Brutus, dem Anführer der Verschwörer. Es spielt in Rom und Philippi, wo die Schlacht bei Philippi stattfand. Die erzählte Zeit der Handlung, die sich eigentlich zwischen 44 und 42 v. Chr. abspielte, ist auf wenige Tage konzentriert. Die Hauptquelle war Plutarchs griechische Lebensbeschreibung des Julius Caesar in der Übersetzung von Thomas North aus dem Jahre 1579. Shakespeare hat das Stück vermutlich im Jahr 1599 fertig gestellt und es wurde gemäß einem Zeitzeugen wohl am 21. September 1599 erstmals aufgeführt. Der einzige autoritative und aus bibliographischer Sicht gute Text ist die Druckausgabe in der First Folio von 1623. In der elisabethanischen Zeit gab es viele verschiedene „Caesar-Dramen“, Shakespeares Version war aber schon zu seinen Lebzeiten eine der populärsten. In der Folgezeit verschwand das Werk zu keinem Zeitpunkt aus den Spielplänen der Theater, es hat eine lange Tradition als Schullektüre vor allem in den USA und in Deutschland und wurde mehrfach verfilmt.
Handlung
Caesar ist aus dem Bürgerkrieg (49–45 v. Chr.) zurückgekehrt. Er betritt einen öffentlichen Platz zusammen mit seiner Frau Calpurnia, Marcus Antonius, Marcus Brutus, Gaius Cassius u. a. Ein Wahrsager verkündet Caesar, er solle sich vor den Iden des März hüten, doch nimmt Caesar die Warnung nicht ernst. Brutus und Cassius sprechen darüber, dass das Volk Caesar zum König machen wolle, sie hören, wie Antonius Caesar dreimal die Krone anbietet, die dieser aber jeweils ablehnt, ehe er in einem epileptischen Anfall ohnmächtig wird. Als Cassius später erfährt, dass die römischen Senatoren Caesar am nächsten Tag zum König wählen wollen, offenbart er, dass er bereits Widerstand gegen Caesar organisiert habe. Auch Caesars engster Vertrauter und Freund Brutus sieht die Entwicklung mit Sorge. Anfangs plagen ihn Zweifel, denen er in einem Selbstgespräch in seinem auf unheilverkündende Weise von Blitzen und Meteoren erleuchteten Garten Ausdruck gibt. Im Verlauf dieses Selbstgesprächs findet er jedoch eine Rechtfertigung für einen Mord an seinem Freund: das Wohl der Gemeinschaft, das über persönliche Loyalität gehe. Als Cassius und andere Verschwörer ihn aufsuchen, beschließen sie, Caesar am nächsten Tag zu töten. Brutus setzt sich an die Spitze der Verschwörung. Er entscheidet, dass der Konsul Antonius verschont bleiben müsse, da der Anschlag nur dem Tyrannen selbst gelten solle.
Kulturelle Bedeutung
Julius Caesar erfreut sich mit seinem klassischen Thema anhaltender Beliebtheit beim Publikum. Im 19. und 20. Jahrhundert wurde das Stück überwiegend als Brutus-Drama in historischer Inszenierung auf die Bühne gebracht. In neuerer Zeit ist demgegenüber die Tendenz weg von der historisierenden Aufführungspraxis zu beobachten. Stattdessen werden nach den politischen Erfahrungen des 20. Jahrhunderts im Schatten der Weltkriege oft aktuelle Bezüge hergestellt, indem der Titelheld als faschistischer Diktator dargestellt wird und die Schauspieler modern gekleidet auftreten. Wegweisend für diese Tendenz zu einer aktualisierenden Inszenierung des Dramas war insbesondere die berühmt gewordene New Yorker Aufführung von Orson Welles aus dem Jahre 1937. Ob eine Darstellung als faschistischer Diktator der Titelfigur gerecht wird, ist jedoch umstritten.
