Über das Werk
Richard Strauss' „Intermezzo" wurde 1924 in Dresden uraufgeführt — eine „bürgerliche Komödie mit sinfonischen Zwischenspielen" in zwei Akten. Strauss schrieb das Libretto selbst und basierte es offen auf einem realen Eheskandal seiner Frau Pauline 1902, was die Oper zu einem der autobiographischsten Werke der Operngeschichte macht.
Handlung
Hofkapellmeister Robert Storch (Strauss-Alter Ego) reist zu einer Probe nach Wien. Seine Frau Christine (Pauline-Alter Ego), launisch, eifersüchtig, im Haushalt herrschsüchtig, gerät beim Rodeln am Berg mit dem jungen Baron Lummer in Konflikt — und freundet sich mit ihm an. Lummer versucht, sich von ihr Geld leihen zu lassen. Daheim kommt ein Brief: Eine gewisse Mieze Meier — gemeint ist Storch — bittet um Tickets für die Oper. Christine ist überzeugt, ihr Mann betrügt sie; sie schickt sofort eine Depesche nach Wien, die Trennung verkündend. In Wien spielt Storch verzweifelt mit dem Komponisten Stroh Skat, als die Depesche eintrifft. Es stellt sich heraus: Der Brief war an Stroh adressiert — die Briefträgerin hatte sich vertan. Christine, vom Missverständnis aufgeklärt, bittet ihren Mann reuig um Vergebung. In einem berühmten Schlussbild — den symphonischen Zwischenspielen — wird Christines neurotische Persönlichkeit musikalisch portraitiert.
Kulturelle Bedeutung
Intermezzo ist Strauss' persönlichste Oper und kann als musikalische Selbstporträts mit seiner Frau gelesen werden. Pauline Strauss soll bei der Uraufführung gewesen sein und Christine als „nicht authentisch genug" kritisiert haben. Die symphonischen Zwischenspiele zwischen den Bildern wurden später als eigenständige Konzertstücke etabliert (Glenn Gould nahm sie auf). Inszenierungen sind selten, aber regelmäßig — Glyndebourne (1965, 1974, 1983), Bayerische Staatsoper, Garsington Opera. Das Werk ist eine Hommage Strauss' an seine eigene Lebenswirklichkeit und an die Konversations-Oper der Mozart-Tradition.
