Über das Werk
Giacomo Puccinis einaktige Oper eröffnet Il Trittico, uraufgeführt mit Suor Angelica und Gianni Schicchi am 14. Dezember 1918 an der Metropolitan Opera New York. Angesiedelt auf einem Seinefrachtschiff im frühen 20. Jahrhundert in Paris, basiert das Libretto von Giuseppe Adami auf einem zeitgenössischen französischen Schauspiel von Didier Gold. Die Oper ist Puccinis konzentrierteste Auseinandersetzung mit dem Verismo und porträtiert Arbeiterklassen-Tragödie mit filmischer Direktheit.
Handlung
Der Schiffskapitän Michele und seine viel jüngere Frau Giorgetta, trauernd über den Tod ihres Säuglings, sind wortkarg zueinander geworden. Giorgetta hat eine heimliche Affäre mit dem jungen Schauermann Luigi begonnen. Als Michele die Wahrheit entdeckt, lockt er Luigi mit einem Streichholz-Signal auf das Schiff und erwürgt ihn. Als Giorgetta für ein Mitternachts-Rendezvous zurückkehrt, enthüllt Michele die unter seinem Mantel — il tabarro, der dem Werk den Titel gibt — versteckte Leiche ihres Liebhabers und stößt Giorgetta gegen den Toten.
Kulturelle Bedeutung
Il Tabarro ist Puccinis ökonomischstes dramatisches Werk und eine der wirkungsvollsten veristischen Opern überhaupt. Die eröffnende Barcarole, den langsamen Fluss der Seine beschwörend, zählt zu den atmosphärischsten Orchester-Eröffnungen der Literatur. Die drei Hauptrollen verlangen außergewöhnliches dramatisches Engagement: Michele (Bariton), Giorgetta (Sopran) und Luigi (Tenor) tragen die Oper durch ihre fünfzig Minuten. Das Werk wird häufig in Doppelabenden mit Cavalleria rusticana oder Pagliacci gepaart, neben den Begleitwerken des vollständigen Trittico.
