Über das Werk
Claudio Monteverdis „Il ritorno d'Ulisse in patria" wurde 1640 in Venedig uraufgeführt — die zweite der drei erhaltenen Monteverdi-Opern. Das Libretto Giacomo Badoaros ist eine virtuose Verkürzung der zweiten Hälfte von Homers „Odyssee" (Bücher 13-23). Eine vollständige Partitur überlebte als anonymes Manuskript in Wien; die Zuschreibung an Monteverdi gilt heute als gesichert.
Handlung
Im Vorspiel klagen die Allegorien Menschliche Zerbrechlichkeit (l'humana fragilità) ihre Unterdrückung durch Zeit (il Tempo), Schicksal (la Fortuna) und Liebe (Amor). In Ithaka — 20 Jahre nach Odysseus' Aufbruch nach Troja — drängen Penelopes Freier sie zur Heirat. Die Götter beschließen Odysseus' Rückkehr. Athene erscheint dem schiffbrüchigen Odysseus an der Küste Ithakas und verkleidet ihn als alten Bettler, damit er die Lage erkunden kann. Telemach, der Sohn, kommt aus Sparta zurück. Odysseus, noch verkleidet, schließt sich ihm an. Im Palast quälen die Freier die treue Magd, demütigen den als Bettler verkleideten Odysseus. Penelope kündigt einen Wettkampf an: Wer Odysseus' Bogen spannen kann, gewinnt sie. Die Freier scheitern; Odysseus spannt den Bogen, schießt sie alle nieder. Penelope, von 20 Jahren Trauer skeptisch, akzeptiert ihn erst, als er ihr das Geheimnis des aus einem lebenden Olivenbaum gewachsenen Ehebetts nennt. Versöhnungs-Duett „Sospirato mio sole".
Kulturelle Bedeutung
Il ritorno ist eines der frühesten erhaltenen Beispiele der Oper überhaupt und wichtigster Vorgänger der Form, die im 17. Jahrhundert in Venedig entwickelt wurde. Monteverdis Sprach-Behandlung — der „stile concitato" (der erregte Stil) für Wut, eine empfindsame Lyrik für Schmerz und Liebe — schuf das Vokabular der Oper. Das Werk verschwand jahrhundertelang aus dem Repertoire; die Wiederentdeckung im 20. Jahrhundert (Vincent d'Indy 1925, Nikolaus Harnoncourt 1971) etablierte es. Aufnahmen unter Harnoncourt, William Christie, Sergio Vartolo, René Jacobs prägen die historische Aufführungspraxis.
