Über das Werk
Béla Bartóks einzige Oper „Herzog Blaubarts Burg" wurde 1918 in Budapest uraufgeführt — sieben Jahre nach Komposition (1911), nachdem Bartók die Aufführung trotz wiederholter Ablehnung durch ungarische Opernhäuser endlich durchsetzte. Das einaktige Werk basiert auf dem Libretto von Béla Balázs, das die Charles-Perrault-Legende vom blutrünstigen Frauenmörder Blaubart symbolisch-psychologisch umdeutet.
Handlung
Im völlig dunklen Schloss Blaubarts ankommt Judith, die er gerade erst geheiratet hat. Sie hat ihre Familie und Heimat verlassen, um ihm zu folgen. Im Schlosshof entdeckt sie sieben verschlossene Türen. Sie verlangt, sie zu öffnen — Blaubart warnt, gibt aber jeweils einen Schlüssel. Erste Tür: Folterkammer (rot strömendes Licht, Blut). Zweite: Waffenkammer. Dritte: Schatzkammer. Vierte: Geheimer Garten — alle Blumen sind blutbespritzt. Fünfte: Blaubarts Reich — strahlend hell, voller Berge und Wolken — aber die Sonne ist von Blut bedeckt. Judith besteht auf den letzten zwei Türen, obwohl Blaubart fleht aufzuhören. Sechste: ein See aus Tränen, still. Siebte: Hier sind Blaubarts drei frühere Frauen — geschmückt, lebendig, in Königin-Würde. Judith erkennt ihr Schicksal: Sie wird die vierte werden. Sie wird mit Krone und Mantel gekleidet, die anderen drei führen sie hinein, die Tür schließt sich. Blaubart bleibt allein in der Dunkelheit zurück: „Und nun wird es immer Nacht sein."
Kulturelle Bedeutung
Herzog Blaubarts Burg ist Bartóks einziger Beitrag zur Operngeschichte und gilt als eines der bedeutendsten einaktigen Bühnenwerke des 20. Jahrhunderts. Die psychoanalytische Lesart — Blaubart als Mann mit unverarbeiteten Traumata, Judith als die Frau, die alles wissen will — wurde im 20. Jahrhundert dominant. Bartóks ungarische Sprachprosodie, die symbolistischen Klangfarben und die strenge Ein-Akt-Architektur (der gesamten Spannung in 60 Minuten) machen das Werk zur Schlüsselposition zwischen Spätromantik und Moderne. Aufführungen oft als Doppelabend mit kurzen modernistischen Werken. Inszenierungen Robert Wilsons (1989) und Krzysztof Warlikowskis (2018) sind moderne Höhepunkte.
