Über das Werk
„Herzfaden" ist eine Bühnenfassung nach dem gleichnamigen Roman von Thomas Hettche (2020), der die Geschichte der legendären Augsburger Puppenkiste erzählt. Die Theaterfassung wurde u. a. am Hessischen Staatstheater Wiesbaden in einer Inszenierung von Moritz Sostmann uraufgeführt – als Hommage an das Marionettenspiel, in der menschliche Darsteller:innen und Marionetten unmittelbar nebeneinander agieren. Der Abend verschränkt die Nachkriegsgeschichte des berühmten Augsburger Marionettentheaters mit einer berührenden Coming-of-Age-Rahmenhandlung.
Handlung
Die Rahmenhandlung folgt einem zwölfjährigen Mädchen, das sich nach einem Streit auf dem Dachboden eines Theaters wiederfindet und dort den berühmten Marionetten der Augsburger Puppenkiste begegnet – Figuren wie Urmel, Jim Knopf oder dem Kasperl. Im Gespräch mit „Hatü", der Schnitzerin und Puppenbauerin (angelehnt an Hannelore Marschall-Oehmichen, Tochter der Gründer Walter und Rose Oehmichen), entfaltet sich die Geschichte des Marionettentheaters: von der Zerstörung der Stadt im Zweiten Weltkrieg über die Gründung 1948 bis zu den großen Fernseherfolgen der Nachkriegszeit. So verweben sich die persönliche Reifungsgeschichte des Mädchens und die Chronik einer deutschen Kulturinstitution.
Kulturelle Bedeutung
Die Augsburger Puppenkiste zählt zu den bekanntesten Kulturinstitutionen der Bundesrepublik; ihre Fernsehinszenierungen – von „Urmel aus dem Eis" bis „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer" – prägten Generationen. Hettches Roman, ein großer Publikums- und Kritikererfolg, würdigt dieses Erbe und macht zugleich die handwerkliche und menschliche Geschichte hinter den Marionetten sichtbar. Die Theaterfassung überführt den Stoff zurück auf die Bühne und reflektiert dabei selbst die Kunst des Marionettenspiels – das sichtbare Zusammenspiel von Hand und Faden, Mensch und Figur.
