Über das Werk
Herr Puntila und sein Knecht Matti ist ein „Volksstück" von Bertolt Brecht, entstanden 1940 im finnischen Exil in Zusammenarbeit mit Hella Wuolijoki und uraufgeführt 1948 am Schauspielhaus Zürich. Es gehört zu Brechts reifen, im epischen Theater verwurzelten Komödien und verbindet derben Humor mit scharfer Gesellschaftskritik.
Handlung
Der finnische Gutsbesitzer Puntila ist ein gespaltener Mensch: betrunken ist er warmherzig, menschenfreundlich und großzügig, nüchtern dagegen kalt, berechnend und herrisch. Sein Chauffeur Matti, ein kluger Proletarier, durchschaut die Launen seines Herrn und bewahrt zwischen dessen Rauschzuständen seine Würde und seinen Verstand. Im Wechselspiel von Suff und Nüchternheit – etwa bei der Verlobung von Puntilas Tochter und einer betrunkenen „Verlobung" mit vier Dorffrauen – entlarvt das Stück die Unvereinbarkeit der Klasseninteressen. Am Ende verlässt Matti den unverbesserlichen Herrn.
Kulturelle Bedeutung
Herr Puntila zählt zu Brechts meistgespielten Komödien und zeigt seine Technik des Verfremdungseffekts in heiterer Form. Die Figur des trunkenen Gutsherrn als „Mensch nur im Rausch" ist eine ebenso komische wie bittere Parabel über die Verlogenheit der Klassengesellschaft. Brecht selbst inszenierte das Stück 1949 als eine der Gründungsproduktionen seines Berliner Ensembles; es ist fester Bestandteil des deutschsprachigen Repertoires.
