Über das Werk
Heldenplatz ist das letzte Theaterstück von Thomas Bernhard, uraufgeführt am 4. November 1988 am Wiener Burgtheater unter der Regie von Claus Peymann — anlässlich des 50. Jahrestags des „Anschlusses" Österreichs an NS-Deutschland und des 100-jährigen Bestehens des Burgtheaters. Das Stück löste den größten Theaterskandal der Zweiten Republik aus.
Handlung
Der jüdische Professor Josef Schuster, der 1938 vor den Nationalsozialisten nach England geflohen und Jahrzehnte später nach Wien zurückgekehrt war, hat sich aus dem Fenster seiner Wohnung am Heldenplatz gestürzt — genau dort, wo Hitler 1938 vom jubelnden Volk empfangen wurde. Bei der Vorbereitung der Beerdigung und der Totenwache rechnen seine Haushälterin, seine Töchter und sein Bruder in langen, monologischen Tiraden mit Österreich ab: mit dem ungebrochenen Antisemitismus, der Verdrängung der NS-Vergangenheit und einer Gesellschaft, in der es nach Schusters Empfinden „mehr Nazis als 1938" gebe. Der Schock des Wiedererkennens — die Stimmen vom Heldenplatz, die der Witwe noch im Ohr klingen — treibt die Trauerfeier auf einen verstörenden Höhepunkt zu.
Kulturelle Bedeutung
Heldenplatz ist Bernhards radikalste Abrechnung mit seinem Heimatland und wurde schon vor der Premiere zum Politikum: Boulevardpresse und Politiker forderten die Absetzung, es kam zu Protesten, Misthaufen vor dem Burgtheater und Rücktrittsforderungen. Die Uraufführung wurde zum Schlüsselereignis der österreichischen Kulturgeschichte und zum Sinnbild für die schmerzhafte Auseinandersetzung des Landes mit seiner Vergangenheit. Bernhard starb wenige Monate später; in seinem Testament untersagte er die Aufführung seiner Werke in Österreich.
