Über das Werk
Heinrich IV. (italienisch Enrico IV) ist eine Tragödie von Luigi Pirandello, 1922 in Mailand uraufgeführt. Das Stück ist neben „Sechs Personen suchen einen Autor" Pirandellos bedeutendstes Werk und ein virtuoses Spiel über Wahnsinn, Identität und die Grenze zwischen Sein und Schein.
Handlung
Bei einem Kostümumzug, in dem er den deutschen Kaiser Heinrich IV. darstellt, stürzt ein junger Adliger vom Pferd und schlägt mit dem Kopf auf. Als er erwacht, hält er sich tatsächlich für Heinrich IV. — und seine Umgebung richtet ihm, um den Wahnsinnigen zu schonen, jahrelang einen kompletten mittelalterlichen Hofstaat ein. Nach zwanzig Jahren erfahren wir: Der Mann ist längst genesen, spielt seine Rolle aber bewusst weiter — die Maske des Wahnsinns ist ihm zur Zuflucht vor einer Welt geworden, die ihn einst betrog. Als seine einstige Geliebte, ihr neuer Gefährte (sein damaliger Rivale) und ein Arzt versuchen, ihn durch eine Inszenierung zu „heilen", kippt das Spiel: Der vermeintlich Wahnsinnige ersticht seinen Rivalen — und muss nun, um der Strafe zu entgehen, für immer in der Rolle des Wahnsinnigen verharren.
Kulturelle Bedeutung
Heinrich IV. ist ein Schlüsselwerk des modernen Theaters und der berühmteste Ausdruck von Pirandellos lebenslangem Thema: der Unmöglichkeit, zwischen Wirklichkeit und Rolle, Vernunft und Wahnsinn sicher zu unterscheiden. Pirandello, der 1934 den Literaturnobelpreis erhielt, schuf mit der Titelrolle eine der größten Herausforderungen für Schauspieler. Das Stück gehört zum festen Repertoire der internationalen Bühnen.
