Über das Werk
„Hans van Manen in Carré" ist ein Ballettabend des Het Nationale Ballet (Dutch National Ballet), mit dem die Compagnie im April und Mai 2026 im Amsterdamer Koninklijk Theater Carré den niederländischen Choreografen Hans van Manen (1932–2025) ehrte. Der Abend versammelte ikonische Werke aus van Manens umfangreichem Œuvre – darunter sein 1979 ebenfalls im Carré uraufgeführtes Video-Ballett „Live", das als Meilenstein der niederländischen Theatergeschichte gilt. Begleitet wurde die Aufführung vom Het Balletorkest; wegen außergewöhnlicher Nachfrage wurde eine Zusatzvorstellung angesetzt.
Handlung
Der Abend ist als Hommage angelegt und reiht mehrere eigenständige Werke van Manens aneinander. Im Zentrum steht „Live" (1979): Während eine Tänzerin auf der Bühne agiert, folgt ihr eine Live-Kamera, deren Bild zugleich auf eine Leinwand übertragen wird – ein früher, radikaler Dialog von Tanz und bewegtem Bild. Daneben stehen Werke wie „Kammerballett", „Two Pieces for HET" und „Black Cake". Van Manens Stücke sind meist handlungsfrei: Sie verdichten Musik, Bewegung und die Beziehung zwischen Mann und Frau zu klar gebauten, eleganten und oft mit feiner Ironie gewürzten Tanzminiaturen. Statt einer Erzählung stehen Musikalität und die Präzision der reinen Form im Vordergrund.
Kulturelle Bedeutung
Hans van Manen zählt zu den bedeutendsten Choreografen des 20. und frühen 21. Jahrhunderts; sein reduzierter, hochmusikalischer Stil brachte ihm den Beinamen „Mondrian des Tanzes" ein. Über mehr als sechs Jahrzehnte schuf er rund 150 Werke, die weltweit zum Repertoire führender Compagnien gehören. Nach seinem Tod am 17. Dezember 2025 erhielt dieser Abend im Carré – einem für van Manens Schaffen historischen Ort – den Charakter einer Gedenk- und Würdigungsveranstaltung und macht die Klarheit, Modernität und emotionale Genauigkeit seines Tanzverständnisses noch einmal erfahrbar.
