Über das Werk
Heiner Müllers „Die Hamletmaschine" entstand 1977 und ist einer der berühmtesten Texte des postdramatischen Theaters. Auf wenigen Seiten zertrümmert Müller den Hamlet-Stoff zu fünf collagenartigen Bildern über das Scheitern des Intellektuellen, die Last der europäischen Geschichte und die Sackgasse der Revolution. Eine durchgehende Handlung gibt es nicht.
Handlung
Der Text besteht aus fünf knappen, überschriebenen Teilen. Eine Hamlet-Figur erklärt „Ich war Hamlet" und tritt aus ihrer Rolle heraus; sie steht an den Trümmern Europas, beim Staatsbegräbnis des Vaters, und reflektiert Verrat, Macht und die eigene Ohnmacht. Ophelia erhebt sich als rebellische, schließlich verstummende Frauenfigur, die sich gegen ihre Opferrolle auflehnt und am Ende, in Mullbinden gewickelt, jede Hoffnung verweigert. Hamlet-Darsteller und Autor verschwimmen; Zitate aus Shakespeare, Marx und der Geschichte des Kommunismus durchziehen den Text. Statt Geschehen bietet „Die Hamletmaschine" eine Folge von Bildern, Monologen und Regie-Visionen, die das Ende eines geschichtlichen Subjekts und die Erschöpfung der großen Erzählungen markieren.
Kulturelle Bedeutung
„Die Hamletmaschine" ist ein Schlüsseltext des modernen und postdramatischen Theaters und wird weltweit gespielt, übersetzt und in Theaterwissenschaft und Regie intensiv diskutiert. Berühmt wurde Robert Wilsons New Yorker Inszenierung von 1986. Der Text gilt als radikale Absage an das illusionistische Theater und als Müllers dichteste Auseinandersetzung mit dem Erbe von Aufklärung und Revolution.
