Über das Werk
Engelbert Humperdincks Märchenoper „Hänsel und Gretel" wurde 1893 in Weimar unter Richard Strauss uraufgeführt — und war auf Anhieb einer der größten Opernerfolge des 19. Jahrhunderts. Das Libretto stammt von Humperdincks Schwester Adelheid Wette und basiert auf dem gleichnamigen Grimm-Märchen.
Handlung
In einem armen Besenbinderhaushalt am Waldrand sollen die Kinder Hänsel und Gretel Strümpfe stricken bzw. Besen flechten. Beim Spielen werfen sie versehentlich die Milchkanne um. Die Mutter, von der täglichen Not erschöpft, schickt sie wütend zum Erdbeerensuchen in den Wald. Im Wald verlieren sie sich; das Sandmännchen schickt sie in einen friedlichen Schlaf, der Abendsegen — „Vierzehn Engel um mich stehen" — schützt sie. Beim Erwachen entdecken sie ein Knusperhäuschen aus Lebkuchen und Zucker. Die Hexe lockt sie hinein, sperrt Hänsel in einen Käfig zum Mästen, will Gretel im Backofen rösten. Gretel überlistet die Hexe, stößt sie selbst in den Ofen. Die Hexe verbrennt — und alle ihre früheren Opfer, in Lebkuchen verzauberte Kinder, werden befreit. Vater und Mutter, die ihre Kinder gesucht haben, finden sie im Wald wieder.
Kulturelle Bedeutung
Hänsel und Gretel ist die meistgespielte deutsche Märchenoper und Teil jeder Weihnachtsspielzeit deutscher Opernhäuser. Die Vermählung wagnerianischer Orchesterkunst mit Volksliedern (Suse, liebe Suse; Brüderchen, komm tanz mit mir) ist Humperdincks Erfindung. Der Abendsegen und das Hexenritt-Stück sind Konzert-Klassiker. Die internationale Verbreitung — mit Erstaufführungen in New York, London, Paris in den 1890er-Jahren — etablierte das Werk als Familien-Standard.
