Über das Werk
Botho Strauß' Szenenfolge „Groß und klein" wurde 1978 an der Berliner Schaubühne uraufgeführt, mit Edith Clever in der Hauptrolle. Das Stück zeichnet in lose gereihten Bildern das Porträt einer einsamen Frau auf der vergeblichen Suche nach Nähe in der westdeutschen Wohlstandsgesellschaft. Es gilt als Schlüsselwerk über Vereinzelung und Sinnverlust.
Handlung
Lotte, eine sensible, hellwache Frau Ende dreißig, durchwandert eine Reihe von Stationen ihres Lebens und der Gesellschaft um sie herum. Von ihrem Mann verlassen, sucht sie überall Anschluss: bei früheren Bekannten, bei fremden Menschen in Wohnungen und Wartezimmern, in einer religiösen Sehnsucht, die ins Leere läuft. Doch überall stößt sie auf Abwehr, Gleichgültigkeit oder Unverständnis; ihre Freundlichkeit und ihr Mitteilungsdrang wirken auf die anderen befremdlich. In immer neuen Begegnungen — mal grotesk, mal zärtlich, mal verletzend — zeigt sich, wie wenig Platz die Gesellschaft für eine wie sie hat. Am Ende bleibt Lotte allein, in einem Wartezimmer, von keinem Arzt aufgerufen — ein Bild radikaler Vereinzelung.
Kulturelle Bedeutung
„Groß und klein" gilt als eines der bedeutendsten deutschsprachigen Stücke der späten 1970er-Jahre und als prägnante Diagnose der Einsamkeit in der modernen Überflussgesellschaft. Die Rolle der Lotte wurde zu einer großen Aufgabe für Schauspielerinnen; international spielte unter anderem Cate Blanchett die Lotte. Das Stück gehört zum festen Repertoire der deutschsprachigen Bühnen.
