Über das Werk
Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand ist ein 1773 anonym gedrucktes, 1774 uraufgeführtes Geschichts- und Charakterdrama in fünf Aufzügen von Johann Wolfgang von Goethe. Titelfigur ist der fränkisch-schwäbische Reichsritter Gottfried „Götz“ von Berlichingen zu Hornberg (zubenannt „mit der Eisernen Hand“). Das Stück gilt als ein Hauptwerk des Sturm und Drang. Ähnlich wie sein Götz wollte auch Goethe mit diesem Stück Grenzen durchbrechen. Er stellte sich gegen die aristotelischen Theater-Konventionen und schloss an das Theater Shakespeares an. Die Einheiten von Ort, Zeit und Handlung werden aufgehoben: Es gibt insgesamt über fünfzig Handlungsorte, und die dargestellte Zeit wird nicht auf einen Tag beschränkt, sondern erstreckt sich auf mehrere, zum Teil parallel laufende Handlungen (Verhandlung vor dem Gericht, der Bauernkrieg, mehrere Fehden und Überfälle), Nebenhandlungen und schließlich auf das halbe Leben von Götz. Deshalb bezeichnete Dieter Borchmeyer das Stück auch als ein „szenisches Epos“. Die Klammer, die die Szenen zusammenhält, die oft nur aus Gesprächsfetzen bestehen, ist der sich in allen Situationen durchgängig zeigende Charakter des Helden; er stiftet die Einheit des Stückes ganz im Sinne Shakespeares.
Handlung
Götz von Berlichingen liegt in Fehde mit dem Bischof von Bamberg, der einen seiner Knechte gefangen hält. Es gelingt ihm, Adelbert von Weislingen — einen Jugendfreund in Diensten des Bischofs — gefangen zu nehmen und auf seine Burg Jagsthausen zu bringen, wo er ihn zum Seitenwechsel bewegt. Zur Besiegelung des Bündnisses verlobt sich Weislingen mit Götz' Schwester Maria. Zurück am Bamberger Hof aber erliegt Weislingen den Reizen der schönen, intriganten Adelheid von Walldorf, bricht sein Wort, schlägt sich wieder auf die Seite des Bischofs und lässt Maria im Stich. Götz schickt seinen Knappen Georg verkleidet nach Bamberg und erhält Gewissheit über den Verrat. Aus schlechtem Gewissen wird Weislingen zu Götz' tödlichem Feind: Er bewegt den Kaiser, die Reichsacht über Götz und seine Mitstreiter zu verhängen — darunter Franz von Sickingen, der inzwischen um Marias Hand angehalten hat. Ein Exekutionsheer belagert Götz' Burg; durch Verrat fällt er den kaiserlichen Truppen in die Hände und soll in Heilbronn die Urfehde schwören, wird aber von Sickingen befreit. Götz begibt sich in ritterliche Haft auf seine Burg. Als der Bauernkrieg ausbricht, drängen die Aufständischen Götz, ihre Hauptmannschaft zu übernehmen; er willigt unter der Bedingung ein, dass sie auf Gewalt verzichten. Doch die radikalen Bauern brechen das Versprechen und brennen Miltenberg nieder. Auf der Flucht wird Götz von Weislingens Reitern schwer verwundet gefangen genommen; sein treuer Georg fällt. Unterdessen lässt die ihres Mannes überdrüssige Adelheid, die nach der Gunst des künftigen Kaisers strebt, Weislingen durch dessen hörigen Knappen Franz vergiften; der sterbende Weislingen hebt auf Marias Bitten das Todesurteil gegen Götz auf. Franz stürzt sich aus Verzweiflung in den Tod, Adelheid wird von einem Femegericht wegen Ehebruchs und Mordes zum Tode verurteilt. Götz erliegt im Heilbronner Kerker seinen Wunden — mit dem Wort „Freiheit!“ auf den Lippen.
Kulturelle Bedeutung
Die unmittelbare Wirkung des Dramas war sensationell; es machte den jungen Autor mit einem Schlag berühmt. Da der Erfolg des Stückes nicht zuletzt auf der Umkehrung traditioneller Vorstellungen von Rang und Ansehen beruhte, fragten Mitglieder anderer Adelsfamilien beim so plötzlich populär gewordenen Autor an, ob er nicht auch ihr Geschlecht literarisch verewigen wolle. König Friedrich II. kritisierte den großen öffentlichen Erfolg von Goethes Werk, vor allem aufgrund seiner Ähnlichkeit mit den damals populär werdenden, verhassten Werken Shakespeares: „Aber da erscheint nun ein Götz von Berlichingen auf der Bühne, eine abscheuliche Nachahmung dieser schlechten englischen Stücke, und die Zuschauer im Parterre klatschen Beifall und verlangen begeistert die Wiederholung dieser widerlichen Plattheiten“.
