Über das Werk
Samuel Becketts Drama in zwei Akten („Happy Days") wurde 1961 in New York uraufgeführt — Beckett schrieb es zuerst auf Englisch, im Gegensatz zu seinen früheren französischen Texten. Das Stück gilt als eines der schwierigsten und zugleich poetischsten Werke Becketts und ist eine Studie über Hoffnung in absoluter Hilflosigkeit.
Handlung
Erster Akt: Mitten in einer kahlen, von der Sonne ausgedörrten Erd-Anhöhe steckt Winnie, eine etwa 50-jährige Frau, bis zur Taille im Boden. Eine schrille Klingel weckt sie auf. Winnie führt rituell ihren Tag durch: Zahnbürste, Brille, Lippenstift, Haarbürste, alles aus einem großen schwarzen Handtaschen-Beutel. Sie spricht ununterbrochen — zu ihrem Mann Willie, der hinter dem Erdhügel auf dem Boden liegt und kaum reagiert. Winnies Sätze sind Phrasen, Erinnerungen, Liederzitate, immer von der Frage durchzogen: „What is the alternative?" Winnie ist optimistisch in einer absurden Lage; das ist der Witz des Stücks. Sie findet den Tag „happy" — wegen jeder Kleinigkeit, die noch funktioniert. Zweiter Akt: Winnie steckt nun bis zum Hals im Erdhügel. Sie kann nicht einmal mehr den Kopf bewegen. Die Klingel weckt sie immer wieder, falls sie einschläft. Sie spricht weiter, immer fragmentarischer. Willie kriecht im letzten Bild zu ihr hinauf — verzweifelt oder mit Mordabsicht? Beckett lässt es offen. Er erreicht nicht ganz Winnies Gesicht. Schluss: lange Pause, beide schauen einander an. Vorhang.
Kulturelle Bedeutung
Glückliche Tage ist nach „Endspiel" Becketts dichtestes Werk und eines der gefragtesten Solostücke für Schauspielerinnen — die Rolle der Winnie umfasst über zwei Stunden Monolog mit minimaler Bewegungsfreiheit. Berühmte Winnies: Madeleine Renaud (Becketts Lieblings-Winnie, Paris 1963), Billie Whitelaw (Beckett-Schülerin), Fiona Shaw, Juliette Binoche (Wien 2014), Heike Makatsch und Annette Paulmann auf deutschen Bühnen. Die Bühnenbedingung — eine Schauspielerin halb im Sand vergraben — macht das Stück zur extremsten physischen Herausforderung des Repertoires.