Über das Werk
Jean-Paul Sartres Drama „Geschlossene Gesellschaft" („Huis clos", „No Exit") wurde 1944 — noch unter deutscher Besatzung — in Paris uraufgeführt. Das einaktige Stück gilt als wichtigstes Drama des französischen Existenzialismus und enthält den berühmtesten Satz Sartres: „L'enfer, c'est les autres" („Die Hölle, das sind die anderen").
Handlung
Drei Tote — der Deserteur und Pazifist Garcin, die Lesbische Inès, die kindlich-grausame Estelle — werden von einem Diener in ein Hotelzimmer im Stil Second Empire geführt. Sie erkennen schnell: Sie sind in der Hölle. Es gibt keine Folter, keine Dämonen, keine Flammen — nur das Zimmer, dessen Tür sich nicht öffnet, kein Schlaf, kein Tod, kein Spiegel. Im Lauf der Konfrontation erzählen die drei ihre Vorgeschichten und erkennen, dass sie zusammen sind, weil jeder die ideale Folter für die anderen darstellt: Inès begehrt Estelle, die Männer braucht; Estelle begehrt Garcin, der Bestätigung als Held sucht; Garcin braucht eine Frau, die ihn nicht durchschaut, doch Inès durchschaut alles. Garcins Lebensgeschichte (er ließ sich erschießen, weil er als Deserteur fliehen wollte) wird von Inès brutal als Feigheit entlarvt. Im Augenblick, in dem Garcin sich entschließt zu lieben, springt die Tür auf — doch keiner geht. Das Zimmer ist nicht mehr Gefängnis, sondern selbstgewählte Hölle. „Eh bien, continuons." — Nun, machen wir weiter.
Kulturelle Bedeutung
Geschlossene Gesellschaft ist Sartres meistgespieltes Stück und Schlüsseltext des Nachkriegs-Existenzialismus. Die Idee, dass die Hölle in der unauflöslichen Verstrickung mit anderen Bewusstseinen besteht, wurde zur philosophischen Lehrformel. Inszenierungen reichen von der Pariser Uraufführung 1944 — die noch unter deutscher Besatzung — durch Sartre selbst inszeniert wurde, bis zu Inszenierungen von Patrice Chéreau, Krzysztof Warlikowski und Karin Henkel. Das Stück ist auf deutschen Bühnen Standard und beliebte Schullektüre.
