Über das Werk
„Frauenliebe und -leben" op. 42 ist ein Liederzyklus von Robert Schumann, komponiert im Juli 1840 — in seinem „Liederjahr", dem Jahr, in dem er nach langem Rechtsstreit mit ihrem Vater endlich Clara Wieck heiratete. Schumann vertonte acht Gedichte aus dem gleichnamigen Zyklus von Adelbert von Chamisso (1830) für Singstimme und Klavier. Das Werk schildert ein Frauenleben konsequent aus weiblicher Ich-Perspektive: vom ersten Verliebtsein über Werbung, Verlobung und Hochzeit bis zu Mutterschaft, dem Tod des Gatten und der Trauer. Es zählt zu den meistgesungenen Stücken der romantischen Liedkunst.
Handlung
In acht aufeinanderfolgenden Liedern durchläuft die namenlose Frau die Stationen ihres Gefühlslebens. „Seit ich ihn gesehen" beginnt in verträumter Verzauberung, „Er, der Herrlichste von allen" steigert sich zu schwärmerischer Anbetung. „Ich kann's nicht fassen, nicht glauben" bringt das ungläubige Glück der erwiderten Liebe, „Du Ring an meinem Finger" besingt die Verlobung. „Helft mir, ihr Schwestern" bereitet die Hochzeit vor, „Süßer Freund, du blickest" deutet die Schwangerschaft an, „An meinem Herzen, an meiner Brust" feiert das Mutterglück. Das Schlusslied „Nun hast du mir den ersten Schmerz getan" beklagt den Tod des Mannes; das Klaviernachspiel zitiert die Melodie des ersten Liedes und kehrt so in der Erinnerung zur ersten Liebe zurück.
Kulturelle Bedeutung
Der Zyklus gehört zum Kernrepertoire des Kunstlieds und wurde von Sopranistinnen und Mezzosopranistinnen unzählige Male eingespielt. Zugleich ist er Gegenstand kontroverser Deutung: Das idealisierte, ganz auf den Mann ausgerichtete Frauenbild wurde im 20. und 21. Jahrhundert feministisch kritisch hinterfragt und macht das Werk zu einem vieldiskutierten Dokument bürgerlicher Geschlechterrollen des 19. Jahrhunderts. Musikalisch besticht es durch Schumanns enge Verzahnung von Singstimme und Klavier, in der das Instrument die innere Stimme der Protagonistin mitträgt und im berühmten Nachspiel das Wort übernimmt.