Über das Werk
Fräulein Julie (schwedisch „Fröken Julie") ist ein naturalistisches Trauerspiel von August Strindberg, uraufgeführt 1889. Es gilt als Hauptwerk des Naturalismus und als eine der schärfsten dramatischen Studien über Klassenkampf, Geschlechterkrieg und die Abgründe menschlicher Begierde.
Handlung
In der Mittsommernacht auf dem Gut ihres Vaters lässt sich die adlige Fräulein Julie auf ein gefährliches Spiel mit dem ehrgeizigen Diener Jean ein. In einer einzigen durchzechten Nacht kippt das Machtverhältnis zwischen den beiden mehrfach: Aus Flirt wird Verführung, aus Herrschaft Unterwerfung, aus Begehren Verachtung. Nachdem sie miteinander geschlafen haben, ist Julies gesellschaftliche Stellung ruiniert. Gefangen zwischen Standesdünkel, Scham und Jeans kühler Berechnung, sieht die zerrüttete Julie am Ende nur einen Ausweg – Jean reicht ihr das Rasiermesser.
Kulturelle Bedeutung
Fräulein Julie ist ein Meilenstein des modernen Dramas, dessen berühmtes Vorwort Strindbergs naturalistisches Programm formuliert: die Figuren als Produkt von Vererbung, Milieu und Augenblick. Das Kammerspiel seziert mit psychologischer Schonungslosigkeit die Verschränkung von Klasse und Geschlecht. Es zählt zu den meistgespielten und meistadaptierten Werken des Welttheaters und beeinflusste das gesamte moderne Drama.
