Über das Werk
Marius von Mayenburgs Erstlingsstück wurde 1997 beim Stückemarkt des Berliner Theatertreffens ausgezeichnet und 1998 an den Münchner Kammerspielen unter Jan Bosse uraufgeführt. Das Werk machte Mayenburg, damals 26 Jahre alt, zu einem der gefragtesten jungen Dramatiker Europas. Es gilt als Markstein des sogenannten Neuen Realismus der 1990er Jahre — kurze Szenen, zugespitzte Dialoge, psychologische Präzision bei minimaler Bühnenvorgabe.
Handlung
Kurt und Olga sind Geschwister, Anfang und Mitte der Pubertät. Ihre Eltern sind bieder, durchschnittlich, unfähig mit den heftigen Gefühlen der Kinder umzugehen. Kurt, der ältere Bruder, entwickelt eine pyromanische Besessenheit und stößt gleichzeitig in eine sexuelle Beziehung zu Olga. Ein Schulfreund namens Paul kommt hinzu. In einer Abfolge verdichteter Szenen eskaliert die Situation: Feuer brechen aus, die Familie wird zum Kampfplatz, der Inzest wird zur Realität. Am Ende steht die Zerstörung — durch Feuer und durch das Aussprechen des Unaussprechbaren.
Kulturelle Bedeutung
Feuergesicht wurde zum Manifest einer neuen Generation deutscher Dramatiker und in über dreißig Sprachen übersetzt. Das Stück reagierte auf die Gewalt-Faszination der 1990er Jahre und bot dafür eine familiäre Psychopathologie statt oberflächlicher Tätersuche. Die Schaubühne am Lehniner Platz nahm Mayenburg nach diesem Stück als Hausautor auf, eine Position, die er bis heute einnimmt. Feuergesicht wird regelmäßig an Schauspielschulen als Studiermaterial genutzt.