Faust II
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Faust II

Johann Wolfgang von Goethe
Theater · 1832
Klassik

Über das Werk

Johann Wolfgang von Goethes „Faust. Der Tragödie zweiter Teil" wurde im August 1831 vollendet und postum 1832 — wenige Monate nach Goethes Tod — veröffentlicht. Goethe arbeitete seit den 1820er Jahren intensiv an dem zweiten Teil, der konzeptionell, sprachlich und symbolisch deutlich von Faust I abweicht. Die erste vollständige Bühnenaufführung beider Teile gemeinsam fand 1876 in Weimar durch Otto Devrient statt; einzelne Akte wurden vereinzelt schon zuvor gespielt (etwa Teile in Hamburg ab 1854).

Handlung

Akt I — Kaiserhof: Faust und Mephistopheles erscheinen am Hof eines bankrotten Kaisers. Mephistopheles erfindet das Papiergeld, was den Hof rettet. Im Maskenball beschwört Faust durch Magie die Schönheit der Helena von Troja. Akt II — Klassische Walpurgisnacht: Faust reist mit Mephisto und Wagners künstlich geschaffenem Homunculus durch die antike Mythologie zu Helena. Akt III — Helena: Faust und Helena vereinen sich in einem mittelalterlichen Schloss; ihr Sohn Euphorion (Allegorie für Lord Byron und das poetische Streben) stürzt vom Felsen. Helena verschwindet. Akt IV — Hochgebirge / Krieg: Faust hilft dem Kaiser im Krieg gegen einen Gegenkaiser durch Magie und erhält dafür ein Stück Land am Meer. Akt V — Faust als Kolonisator: Der greise, blinde Faust lässt mit magischer Hilfe und mörderischer Hand (das alte Paar Philemon und Baucis stirbt) ein utopisches Land schaffen. Im Augenblick, als er sich vorstellt, einem freien Volk auf freiem Grund Anführer zu sein, sagt er: „Verweile doch, du bist so schön" — und stirbt. Mephisto will die Seele kassieren, doch Engel — durch die Reue Gretchens und das Ewig-Weibliche — entreißen sie ihm. Schluss-Chor: „Das Ewig-Weibliche zieht uns hinan."

Kulturelle Bedeutung

Faust II ist eines der komplexesten Werke der Weltliteratur — eine allegorische Welt-Theater-Konzeption, die Mythologie, Wirtschaftsgeschichte (Erfindung des Papiergeldes!), klassische Antike und industrielle Moderne verbindet. Lange galt das Werk als unspielbar; erst Peter Steins berühmte Produktion zur Expo Hannover 2000, die beide Teile ungekürzt in 21 Stunden brachte, etablierte Faust II auf der Bühne. Die Schluss-Verse „Das Ewig-Weibliche zieht uns hinan" und „Wer immer strebend sich bemüht, den können wir erlösen" gehören zu den meistzitierten der deutschen Literatur. Adaptationen: Mahlers 8. Sinfonie („Sinfonie der Tausend") vertont den Schluss-Akt; Schnittkes Faust-Kantate verarbeitet zentrale Szenen.

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