Über das Werk
Johann Wolfgang von Goethes Tragödie „Faust. Der Tragödie erster Teil" wurde 1808 veröffentlicht — das Ergebnis einer fast 30-jährigen Arbeit, die Goethe von seiner Sturm-und-Drang-Zeit (Urfaust um 1775) bis ins reife Alter führte. Eine Vorstufe „Faust. Ein Fragment" erschien bereits 1790. Die Bühnenuraufführung des „Faust I" fand 1829 in Braunschweig statt — zu Goethes 80. Geburtstag. Das Werk gilt als Hauptwerk der deutschen Literatur.
Handlung
Prolog im Himmel: Mephistopheles wettet mit Gott, er könne Faust, den unermüdlich nach Erkenntnis strebenden Gelehrten, vom rechten Weg ablenken. In seinem Studierzimmer verzweifelt Faust am begrenzten menschlichen Wissen, beschwört den Erdgeist, will sich vergiften — bis Osterglocken ihn zurückhalten. Mephistopheles erscheint im Pudel, dann als Junker, schließt mit Faust den Pakt: er dient Faust auf Erden, dafür gehört Fausts Seele ihm, sobald Faust zum Augenblick sagt „Verweile doch, du bist so schön". Verjüngt durch einen Hexentrank in der Hexenküche, begegnet Faust auf der Straße dem unschuldigen Gretchen. Mephistopheles hilft mit Schmuck-Geschenken bei der Verführung. Gretchen wird schwanger, ihre Mutter stirbt am Schlafmittel, das Faust sie verabreichen ließ. Gretchens Bruder Valentin fordert Faust zum Duell und stirbt. Auf der Walpurgisnacht versucht Mephisto, Faust mit einer Hexen-Orgie abzulenken — vergebens, Faust eilt zurück zu Gretchen. Sie hat ihr Kind im Wahn ertränkt und ist zum Tode verurteilt. Im Kerker erkennt sie Faust nicht mehr; sie weigert sich, mit ihm zu fliehen — „Heinrich! Heinrich!". Eine Stimme von oben: „Ist gerettet!"
Kulturelle Bedeutung
Faust I ist das meistgespielte deutsche Theaterstück und Pflichtlektüre an deutschsprachigen Schulen. Die Rolle des Faust gehört zu den Krönungs-Aufgaben deutscher Schauspieler — Werner Krauss, Ernst Deutsch, Will Quadflieg, Bruno Ganz, Klaus Maria Brandauer. Gustaf Gründgens' Mephisto wurde durch Inszenierungen von den 1930ern bis in die 1960er legendär. Peter Steins 21-stündige Gesamt-Faust bei der Expo Hannover 2000 vereinte beide Teile in einem Theaterabend. Inspirationsquelle für Opern Gounods, Berlioz', Boitos, Schnittkes.
