Über das Werk
Richard Strauss' einaktige Oper auf ein Libretto von Hugo von Hofmannsthal wurde 1909 am Königlichen Opernhaus Dresden uraufgeführt und markiert den Beginn der epochemachenden Zusammenarbeit der beiden Künstler. Das Werk beruht auf Hofmannsthals Bearbeitung von Sophokles' antiker Tragödie aus dem Jahr 1903 und treibt Strauss' harmonische Sprache noch weiter als Salome – in ein Gebiet, das viele Zeitgenossen als Grenze des musikalisch Fassbaren empfanden.
Handlung
Im Königspalast von Mykene wartet Prinzessin Elektra besessen auf die Rückkehr ihres Bruders Orest. Ihr Vater Agamemnon wurde von ihrer Mutter Klytämnestra und deren Liebhaber Ägisth ermordet; Elektra hat ihr Leben ganz der Planung der Rache geweiht. Die von Albträumen geplagte Klytämnestra sucht Elektras Hilfe und erhält nur die Prophezeiung ihres eigenen Todes. Als die Nachricht eintrifft, Orest sei tot, versucht Elektra, ihre ängstliche Schwester Chrysothemis für die Bluttat zu gewinnen. Doch Orest erscheint verkleidet, tötet Klytämnestra und Ägisth. Elektra, von ekstatischem Triumph überwältigt, tanzt sich zu Tode.
Kulturelle Bedeutung
Elektra gehört zu den harmonisch kühnsten Werken, die Strauss je komponierte, und ist für Publikum wie Interpreten eine bleibende Herausforderung. Die Titelrolle mit ihrer über neunzig Minuten durchgehaltenen Intensität zählt zu den extremsten Anforderungen des Sopranrepertoires. Dirigenten wie Karl Böhm, Georg Solti und Christian Thielemann haben maßstabsetzende Aufnahmen vorgelegt. Die psychische Maßlosigkeit des Werks nahm den Expressionismus des kommenden Jahrzehnts vorweg, während die unmittelbare Auseinandersetzung mit dem antiken Mythos das Musiktheater des 20. Jahrhunderts nachhaltig prägte.
