Über das Werk
Philip Glass' und Robert Wilsons „Einstein on the Beach" wurde 1976 beim Festival d'Avignon uraufgeführt und gilt als das wichtigste Avantgarde-Werk des Musiktheaters im 20. Jahrhundert. Mit fast fünf Stunden Dauer ohne Pause und ohne Handlung im konventionellen Sinn wirkte das Werk bei der Uraufführung schockartig — und entzog der Oper die Pflicht zu Plot und Charakteren.
Handlung
„Einstein on the Beach" hat KEINE klassische Handlung, keine Charaktere im Sinn der Oper. Es gibt vier visuelle „Knee Plays" (Verbindungs-Stücke) und vier Akten mit insgesamt neun Szenen. Wiederkehrende Bilder: ein Zug, eine Wende-Tafel, ein Bett, ein Raumschiff, eine Gerichtsverhandlung, eine Geige (Einstein als Solo-Geiger im Orchestergraben). Texte: Zahlen (1, 2, 3, 4 ...), Solfège-Silben (do, re, mi), Gedichte des autistischen Christopher Knowles, gesprochene Erzählungen Lucinda Childs' und Sheryl Sutton's. Die Musik: minimalistische, sich langsam transformierende harmonische Felder, Glass' charakteristische repetitive Arpeggien. Das Werk endet mit einer Bus-Fahrer-Erzählung über zwei alte Liebende auf einer Bank.
Kulturelle Bedeutung
Einstein on the Beach revolutionierte das Musiktheater. Die Verbindung von Glass' Minimal Music mit Wilsons rituellem, langsamem visuellen Theater schuf eine neue Form. Das Werk wurde bei der ersten Met-Aufführung 1976 (in halber Sonderaufführung außerhalb des regulären Spielplans) zum Skandal — Publikum konnte beliebig kommen und gehen, viele blieben fünf Stunden. Wiederaufführungen 1984, 1992 und 2012 (Wiederaufnahme der Original-Inszenierung) wurden weltweit gefeiert. Beeinflusste Generationen von Komponisten und Regisseuren — Heiner Goebbels, John Adams, Saariaho. „The opera is what saved opera" (Mark Swed).
