Über das Werk
Don Quixote (auch: Don Quichotte oder Don Quijote; russisch: Дон Кихот) ist ein komisches Ballett des Choreografen Marius Petipa zur Musik von Léon Minkus. Das Libretto ist angelehnt an den berühmten Roman Don Quijote von Miguel de Cervantes. In seiner Urform wurde das Werk am 26. Dezember 1869 im Bolschoi-Theater in Moskau uraufgeführt. Das Ballett wurde später inhaltlich, musikalisch und choreografisch mehrfach verändert und ergänzt (siehe unten). Die heute aufgeführten Versionen basieren meist auf der 1900 vom Ballettmeister Alexander Gorski im Moskauer Bolschoi-Theater präsentierten und von späteren Choreografen und Komponisten weiter abgewandelten Fassung. Die stilistisch ausgesprochen heterogene Musik späterer Einlagen stammt u. a. von den Komponisten Anton Simon (1850–1916), Riccardo Drigo (1846–1930), Eduard Nápravník (1839–1916), Vassily Soloviev-Sedoy (1907–1979) und Valery Zhelobinsky (1913–1946).
Handlung
Die Figuren des Don Quichotte und seines Begleiters Sancho Panza sind nur marginal in die Handlung eingebaut. Hauptsächlich handelt das Ballett von Liebe zwischen der schönen Wirtstochter Kitri und dem jungen Barbier Basilio. Eine Hütte in der spanischen Provinz Don Quichotte wacht aus einem Alptraum auf und ruft seinen Freund Sancho Panza. In seiner geistigen Umnachtung will er ausziehen, um die Jungfrau Dulcinea, von der er träumte, aus den Händen der Riesen zu befreien. Der Marktplatz eines Dorfes Die wunderschöne und gewitzte Kitri, die Tochter des Schankwirts, liebt Basilio, der sein Geld als Barbier verdient. Kitris Vater jedoch kann den armen Basilio nicht leiden und möchte sie lieber mit dem alten, trotteligen, aber reichen Gamache verheiraten. Jedoch erschleichen sich Kitri und Basilio trotzdem den väterlichen Heiratssegen und fliehen schließlich aus dem Dorf.
Kulturelle Bedeutung
Cervantes’ Don Quixote hatte schon zuvor Komponisten und Choreografen inspiriert. Ein erstes Ballett über das Thema schuf bereits der Choreograf Franz Hilverding 1740 in Wien; am selben Ort brachte auch Jean-Georges Noverre 1768 den Ritter aus der Mancha auf die Bühne, mit Musik von Josef Starzer (möglicherweise war dies eine Überarbeitung von Hilverdings Werk). Es folgten weitere Ballette von Charles Didelot und Venua (1808, Sankt Petersburg) und von Paul Taglioni (1839, Berlin). Der Komponist Léon Minkus (links) und der Choreograf Marius Petipa (rechts) Marius Petipa hatte als junger Mann mehrere Jahre in Spanien verbracht und schon einige kleinere Ballette über spanische Themen geschaffen, aber Don Quixote war sein erstes großes spanisches Ballett und seine erste Zusammenarbeit mit dem Komponisten Léon Minkus. Das Ballett hatte in seiner Urform 4 Akte und 8 Szenen. In der Weltpremiere am 26. Dezember (O.S. 14. Dezember) 1869 am kaiserlichen Bolschoi-Theater in Moskau verkörperten Wilhelm Vanner den Don Quixote und Vassily Geltser dessen Diener Sancho Panza. Die beiden weiblichen Hauptrollen waren ursprünglich getrennt und wurden von Anna Sobeshchanskaya (Kitri) und von Pelagaya Karpakova (Dulcinea) getanzt, der Basilio von Sergei Sokolov.
