Über das Werk
Friedrich Schillers „Don Carlos, Infant von Spanien" entstand 1783-87 und wurde 1787 in Hamburg uraufgeführt. Das fünfaktige „dramatische Gedicht" — Schillers längstes Drama — verbindet Familientragödie mit politischem Freiheitsdrama im spanischen Königshof Philipps II. Verdis Oper „Don Carlos" (1867) basiert auf diesem Werk.
Handlung
Spanien, ca. 1568. Der junge Don Carlos, Sohn König Philipps II., liebt seine Stiefmutter Elisabeth von Valois — die ursprünglich ihm versprochen war, dann aber aus politischen Gründen den Vater heiratete. Carlos vertraut sich seinem Jugendfreund, dem Marqués de Posa, an. Posa hat größere Pläne: Er will den Infanten zum Befreier der unter spanischer Herrschaft leidenden Niederlande machen. Posa schmeichelt sich beim König ein und wird Carlos' Vertrauter. Die Prinzessin Eboli, eine Hofdame, liebt Carlos heimlich; als er ihre Liebesbriefe Elisabeth zuschreibt, intrigiert sie aus Eifersucht beim König und beim Großinquisitor. König Philipp wird Carlos' und Posas Briefe in die Hände gespielt. Posa, um Carlos zu schützen, übernimmt die Schuld auf sich und wird auf Befehl Philipps in Carlos' Gefängniszelle erschossen. Carlos schwört, Posas Lebenswerk fortzuführen — den niederländischen Aufstand zu unterstützen. Bei einem heimlichen Abschied von Elisabeth wird Carlos vom König und Großinquisitor überrascht. Philipp übergibt seinen eigenen Sohn der Inquisition: „Kardinal! Ich habe das meinige getan. Tun Sie das Ihre."
Kulturelle Bedeutung
Don Carlos ist Schillers ehrgeizigstes Drama und sein Bekenntnis zur politischen Freiheit. Posas berühmte Bitte „Geben Sie Gedankenfreiheit!" gehört zu den meistzitierten Stellen der deutschen Literatur. Die Hauptfigur war Vorbild für romantische Held-Verlierer-Typen des 19. Jahrhunderts. Verdis Oper unterscheidet sich in vielen Details — vor allem im Schluss, wo bei Verdi Carlos durch eine Mönchsgestalt entrückt wird. Die Inszenierung Peter Steins (1989, Berliner Schaubühne) gilt als Klassiker.
