Über das Werk
John Adams' Oper „Doctor Atomic" wurde 2005 in San Francisco uraufgeführt. Das Libretto Peter Sellars (zugleich Regisseur der Uraufführung) ist eine Collage aus Originaldokumenten, Briefen, Memoranden, Bhagavad-Gita-Versen, John Donnes Sonetten und Zeugenaussagen. Das Werk schildert die letzten Stunden vor dem ersten Atombomben-Test „Trinity" am 16. Juli 1945 in der Wüste von New Mexico.
Handlung
Akt I: Los Alamos, New Mexico, Juni 1945. Die Wissenschaftler des Manhattan-Projekts unter J. Robert Oppenheimer bereiten den Atombomben-Test vor. Es gibt moralische Zweifel: Edward Teller treibt voran, Robert Wilson plädiert für Innehalten. Oppenheimer schwankt zwischen Pflicht und Reue. Eine Petition an Präsident Truman wird formuliert. Im häuslichen Bereich: Oppenheimer mit seiner alkoholkranken Frau Kitty; Pasqualita, ihre indianische Haushälterin, singt ein Wiegenlied für das schlafende Kind. Akt II: Die Test-Nacht — der „Trinity"-Test. Ein heftiges Gewitter bedroht den Plan; die Bombe wird auf einem 100-Fuß-Turm aufgehängt. Oppenheimer singt den großen John-Donne-Monolog „Batter my heart, three person'd God" — eine der dichtesten Tenor-Arien des modernen Repertoires, eine Selbst-Aufforderung zur Zerreißung. Wartezeit. Countdown. Im finalen Bild: die Detonation. Oppenheimers berühmtes Bhagavad-Gita-Zitat — „I am become Death, the destroyer of worlds" — wird in der musikalischen Stille der Geräusch-Schichten hörbar. Eine japanische Frauen-Stimme erinnert an die Opfer von Hiroshima.
Kulturelle Bedeutung
Doctor Atomic ist Adams' bedeutendstes Werk der zweiten Karriere-Hälfte und gilt als wichtige Oper des frühen 21. Jahrhunderts. Christopher Nolans Film „Oppenheimer" (2023) hat den Stoff einer breiten Öffentlichkeit gezeigt — die Oper ging 18 Jahre voraus. Die Donne-Arie „Batter my heart" ist Adams' meistgesungene Tenor-Soloaria und wurde von Gerald Finley (Uraufführung), Brindley Sherratt, Lawrence Brownlee gesungen. Inszenierungen Peter Sellars' (Uraufführung), Penny Woolcocks (ENO 2009) und Andriy Zholdaks (Lyon 2018) zeigen verschiedene Lesarten.