Über das Werk
Johann Wolfgang von Goethes Roman von 1809 trägt einen chemisch-naturwissenschaftlichen Titel und ist eines der konzentriertesten psychologischen Werke der Weltliteratur. Als Bühnenstoff erfreut sich das Werk seit dem frühen 20. Jahrhundert großer Beliebtheit; die klare Vierer-Konstellation und der unausweichliche Sog der Katastrophe machen es besonders theater-tauglich.
Handlung
Eduard und Charlotte, ein wohlhabendes Ehepaar auf ihrem Landgut, empfangen zwei Gäste — Eduards Freund, den Hauptmann, und Charlottes junge Nichte Ottilie. Die chemische Metapher der Wahlverwandtschaft verwirklicht sich: Eduard zieht zu Ottilie hin, Charlotte zum Hauptmann. In einer Nacht, in der Eduard mit seiner Frau schläft, aber an Ottilie denkt und Charlotte an den Hauptmann, wird ein Kind gezeugt, das die Züge der beiden abwesend Geliebten trägt. Das Kind ertrinkt durch Ottilies Unachtsamkeit. Ottilie verweigert fortan die Nahrungsaufnahme und stirbt. Eduard folgt ihr in den Tod.
Kulturelle Bedeutung
Die Wahlverwandtschaften sind Goethes meist-diskutiertes Prosawerk und lösten bei Erscheinen bürgerliche Empörung aus — Ehebruch, Kindstod und Verzicht auf Versöhnung galten als unmoralisch. Walter Benjamin widmete dem Roman einen der zentralen Essays der modernen deutschen Literaturkritik. Bühnenfassungen existieren von Peter Stein, Luc Bondy und zuletzt Andrea Breth am Burgtheater Wien. Volker Schlöndorff verfilmte den Roman 1996.
