Über das Werk
Eugène Ionescos Drama „Die Stühle" („Les Chaises") wurde 1952 in Paris uraufgeführt und zählt zu den Gründungswerken des absurden Theaters. Der Einakter kennt nur zwei spielende Figuren — beide sehr alt — und die eingebildeten, niemals eintreffenden Gäste, für die das Paar eine immer größere Armee leerer Stühle aufstellt. Ionesco selbst nannte das Werk eine „tragische Farce", in der sich die Bühne mit Abwesenheit füllt.
Handlung
In einer turmartigen Wohnung auf einer Insel leben der 95-jährige Alte und seine etwas jüngere Frau. Der Alte, ein pensionierter Hausmeister, hat beschlossen, am Abend der Menschheit eine große Botschaft zu verkünden — das Geheimnis vom Sinn seines Lebens. Er hat zahlreiche Gäste zu diesem Vortrag geladen und einen professionellen Redner engagiert, der die Botschaft überbringen soll. Im Verlauf des Stücks treffen die Gäste ein, für das Publikum unsichtbar — der Alte und die Alte begrüßen sie höflich, geleiten sie zu Stühlen und reichen Getränke. Die Bühne füllt sich mit immer mehr Stühlen, bis am Ende sogar der Kaiser angekündigt wird, ebenfalls unsichtbar. Als der Saal voll ist, betritt endlich der Redner die Bühne — als einziger sichtbar. In Ekstase springen der Alte und die Alte aus den Fenstern ins Meer. Der Redner wendet sich ans Publikum, um die große Botschaft zu verkünden — doch er ist stumm und bringt nur unzusammenhängende Laute hervor. Auf eine Tafel kritzelt er sinnlose Buchstaben. Zurück bleibt der leere Saal.
Kulturelle Bedeutung
„Die Stühle" ist nach „Die kahle Sängerin" Ionescos berühmtestes Werk und gilt als Prototyp des absurden, existenziellen Theaters über die Unmöglichkeit der Kommunikation. Berühmte Inszenierungen von Jean-Louis Barrault, Theodoros Terzopoulos und Simon McBurney (Théâtre de Complicité 1997 mit Geraldine McEwan und Richard Briers) prägen die Aufführungstradition. Das Bild der leeren Stühle ist zur kulturellen Metapher geworden.
