Über das Werk
Richard Strauss' komische Oper in drei Aufzügen entstand 1934/35 nach Stefan Zweigs Libretto, das auf Ben Jonsons Komödie „Epicoene, or The Silent Woman" (1609) zurückgeht. Die Uraufführung 1935 in Dresden war von der politischen Lage überschattet — Zweigs Name als jüdischer Librettist führte zu Aufführungsverbot nach drei Vorstellungen.
Handlung
Sir Morosus, ein alter Seebär im Ruhestand, hasst jeden Lärm und sucht eine schweigsame Ehefrau. Sein Neffe Henry, der mit einer Operntruppe verheiratet ist, fällt damit beim Onkel in Ungnade. Der Barbier Schneidebart inszeniert mit der Truppe einen Streich: Henrys Frau Aminta tritt als sanfte „Timidia" auf, die Morosus heiratet — und sich nach der Trauung in eine kreischende Furie verwandelt. Eine Schein-Scheidung mit falschen Anwälten und Richtern lässt Morosus verzweifeln. Als die Komödie aufgedeckt wird, ist der alte Mann erleichtert, vergibt Henry und Aminta und schließt seinen Frieden mit dem Lärm des Lebens.
Kulturelle Bedeutung
Die schweigsame Frau gilt als heiterster Spätstil von Strauss und ist seine letzte rein komische Oper. Sie zeichnet sich durch transparente Orchestrierung, Mozart-Anklänge und eine Koloratur-Partie für Aminta aus, die zu den anspruchsvollsten des Faches zählt. Die Geschichte der Uraufführung — Strauss' Streit mit den Nazis um Zweigs Namen auf dem Plakat — gilt als Schlüsselmoment seiner kompromittierten Position im Dritten Reich.
