Über das Werk
Janáčeks Oper „Die Sache Makropulos" wurde 1926 in Brünn uraufgeführt — basierend auf Karel Čapeks gleichnamigem Drama (1922). Das Stück verbindet einen Erbschaftsprozess mit einer Frau, die seit 337 Jahren lebt — eines der ungewöhnlichsten Opernsujets überhaupt.
Handlung
Prag 1922. Im Anwaltsbüro des Doktor Kolenatý wird ein hundertjähriger Erbschaftsstreit um den Besitz Gregor verhandelt. Die schöne, geheimnisvolle Sängerin Emilia Marty erscheint und liefert mitleidlos genaue Details aus dem Jahr 1827 — Daten und Namen, die niemand kennen kann. Es entwickelt sich, dass Marty in Wahrheit Elina Makropulos ist, geboren 1585, Tochter des Alchemisten am Hof Kaiser Rudolfs II., der ihr ein Lebens-Elixier zwangsweise verabreichte — als Probe für den Kaiser. Sie ist seit 337 Jahren am Leben, hat unter verschiedenen Namen (Eugenia Montez, Ekaterina Myshkina, Elsa Müller, Emilia Marty) gelebt, alle mit Initialen E.M. Sie sucht das Original-Rezept des Elixiers, das in den Akten des Erbschaftsstreits vergraben ist. Doch sie ist müde des langen Lebens — alles wird gleichgültig, alles wiederholt sich, niemand kann sie wirklich kennen. Im Schluss-Akt verbrennt sie das Rezept; sie stirbt — endlich. Eine junge Sängerin, Kristina, lehnt das Elixier ab, das ihr angeboten wird.
Kulturelle Bedeutung
Die Sache Makropulos ist Janáčeks vorletzte vollendete Oper und sein philosophisch dichtestes Werk. Die Titelfigur — eine 337-jährige Frau, die ewig lebt aber nichts mehr fühlen kann — ist eine der einprägsamsten Frauenpartien des 20. Jahrhunderts. Janáčeks Sprachprosodie verlangt eine Sängerin, die deklamiert mehr als singt — Anja Silja, Catherine Malfitano, Karita Mattila prägten die Rolle. Inszenierungen David Pountneys (ENO 1981) und Patrice Chéreaus (Paris 1996) gelten als Referenz. Robert Wilsons Inszenierung 1995 brachte das Werk an die Met.
