Über das Werk
Gerhart Hauptmanns Berliner Tragikomödie von 1911 spielt auf einem Mietshausdachboden im proletarischen Berlin. Das Stück verwebt naturalistisch genaue Milieustudie mit theatertheoretischer Reflexion und gilt als letzter großer Wurf des deutschen Naturalismus. Die Uraufführung fand am Lessingtheater Berlin statt.
Handlung
Frau John, die Frau eines Maurerpoliers, kann keine eigenen Kinder bekommen und nimmt heimlich das uneheliche Kind des Dienstmädchens Pauline Piperkarcka an sich. Als Pauline ihr Kind zurückfordert, lässt Frau John es durch ihren kriminellen Bruder beseitigen. Parallel spielt im gleichen Haus die Geschichte des ehemaligen Theaterdirektors Hassenreuter, der hier Deklamationsunterricht gibt. Die beiden Handlungsstränge treffen sich im Drama um Wahrheit, Schein und die Ratten, die das Haus bewohnen.
Kulturelle Bedeutung
Die Ratten markiert Hauptmanns Abkehr vom reinen Naturalismus und die Öffnung zu tragikomischen, fast absurden Konstellationen. Die Figur der Frau John zählt zu den großen Frauenrollen des deutschen Theaters — eine Frau, die aus Mutterliebe zur Mörderin wird. Regisseure wie Peter Zadek und Michael Thalheimer haben das Stück in den letzten Jahrzehnten immer wieder neu entdeckt und als erstaunlich modernes Werk gelesen.
