Über das Werk
Johann Wolfgang von Goethes Trauerspiel in fünf Aufzügen wurde 1803 am Weimarer Hoftheater uraufgeführt und war als erster Teil einer geplanten Trilogie angelegt, die jedoch nie vollendet wurde. Das Stück entstand auf dem Höhepunkt der Weimarer Klassik und reflektiert in kristalliner Versform Goethes Erschütterung durch die Französische Revolution.
Handlung
Ein Herzog erkennt seine natürliche Tochter Eugenie als Kind aus einer früheren Verbindung an und plant, sie bei Hof einzuführen. Ihr Halbbruder, der rechtmäßige Erbe, fürchtet um sein Erbe und inszeniert mit Hilfe des Weltgeistlichen ein Komplott: Eugenie soll bei einem fingierten Unfall sterben und in Wahrheit in die Kolonien verbannt werden. Eugenie entdeckt den Plan und entscheidet sich, statt in die Verbannung zu gehen, in eine Ehe ohne Liebe mit einem einfachen Gerichtsrat einzutreten — als Rettung durch freie Wahl.
Kulturelle Bedeutung
Die natürliche Tochter ist Goethes formal reinstes Trauerspiel in klassischen Versen und wird oft als hermetisches Werk erlebt — alle Figuren außer Eugenie sind namenlos, nur als Rollen bezeichnet. Das Stück hat Schiller beeindruckt, wurde aber im 19. Jahrhundert als zu abstrakt abgetan. Im 20. Jahrhundert haben Aufführungen von Peter Stein und Klaus Michael Grüber die Oper-artige Formstrenge als eigenständige Theaterästhetik gewürdigt.
