Über das Werk
Dmitri Schostakowitschs erste Oper, „Die Nase", entstand 1927/28 nach der gleichnamigen grotesken Erzählung Nikolai Gogols (1836). Die Uraufführung 1930 in Leningrad war ein Skandal aus Protest gegen die avantgardistische Klangsprache; das 22-jährige Wunderkind verband Atonalität, Dada und musikalischen Slapstick zu einer der radikalsten Opern der frühen Sowjetzeit.
Handlung
Der Petersburger Kollegienassessor Kowaljow erwacht eines Morgens — und entdeckt im Spiegel: seine Nase ist verschwunden. Sie ist zuvor dem Barbier Iwan Jakowlewitsch in einem Brötchen serviert worden, der sie in Panik in der Newa entsorgt. Die Nase macht sich selbständig, läuft als Staatsrat verkleidet durch Petersburg und betet in der Kasaner Kathedrale. Kowaljow gibt eine Vermisstenanzeige in der Zeitung auf, doch der Redakteur weigert sich. Polizei greift die Nase auf, ein Polizist bringt sie in einem Päckchen zurück, doch sie haftet nicht mehr im Gesicht. Nach allerlei vergeblichen Mühen findet Kowaljow schließlich eines Morgens die Nase wieder an ihrem Platz — und schreitet selbstgefällig in die Stadt hinaus.
Kulturelle Bedeutung
Die Nase ist eine der avantgardistischsten Opern aller Zeiten und Schostakowitschs einziger expliziter Tribut an die Tradition der russischen Groteske von Gogol bis Charms. Berühmt sind das Schlagzeug-Interludium nur für Perkussion und die surreale Polizeijagd-Szene. William Kentridges Inszenierung an der Metropolitan Opera 2010 hat das Werk international ins Bewusstsein zurückgebracht. Es gilt als Schlüsselwerk zwischen revolutionärer Avantgarde und der späteren stalinistischen Verfolgung Schostakowitschs.
