Über das Werk
Die Marquise von O…. ist eine Bühnenfassung der gleichnamigen Novelle (1808) von Heinrich von Kleist, einer der kühnsten und formvollendetsten Erzählungen der deutschen Literatur. Kleist verlegt die Handlung nach Italien und behandelt mit kühler Präzision ein für seine Zeit ungeheuerliches Thema: eine Schwangerschaft ohne wissentliche Empfängnis.
Handlung
Die tugendhafte, verwitwete Marquise von O…., Tochter eines italienischen Festungskommandanten, wird während der Eroberung der Festung durch russische Truppen von einem Trupp Soldaten bedrängt und im letzten Moment von einem edlen russischen Grafen gerettet. Während einer Ohnmacht jedoch missbraucht ausgerechnet dieser Retter sie. Monate später stellt die Marquise fassungslos fest, dass sie schwanger ist, ohne sich einer Empfängnis bewusst zu sein. Von ihrer empörten Familie verstoßen, gibt sie eine aufsehenerregende Zeitungsannonce auf: Der unbekannte Vater möge sich melden, sie wolle ihn heiraten. Als sich der russische Graf als Vater zu erkennen gibt, ist die Marquise zunächst entsetzt — am Ende aber, nach langer Prüfung, kommt es zur Versöhnung und Heirat.
Kulturelle Bedeutung
Die Marquise von O…. ist eine der berühmtesten Novellen der deutschen Literatur und ein kühnes Werk über Gewalt, Ehre, Vertrauen und weibliche Selbstbehauptung. Kleists nüchterner, von Verschachtelungen und dem berühmten Gedankenstrich geprägter Stil verleiht dem heiklen Stoff eine zeitlose Modernität. Éric Rohmers werkgetreue Verfilmung von 1976 machte den Stoff international bekannt; Bühnenfassungen halten die Auseinandersetzung mit Schuld und Selbstbestimmung lebendig.
