Über das Werk
Eugène Ionescos „Die kahle Sängerin" („La Cantatrice chauve") wurde 1950 am Théâtre des Noctambules in Paris uraufgeführt. Der Autor nannte sein Erstlingswerk ein „Anti-Stück". Es gilt als Gründungswerk des absurden Theaters und entstand aus Ionescos Befremden über die mechanischen Mustersätze eines Englisch-Lehrbuchs.
Handlung
In einem typisch englischen Wohnzimmer sitzt das Ehepaar Smith und tauscht banale, zunehmend widersinnige Gemeinplätze aus. Zu Besuch kommt das Ehepaar Martin, das nach einer langen, scheinlogischen Beweisführung verblüfft „entdeckt", dass es miteinander verheiratet ist und im selben Bett schläft. Das Dienstmädchen Mary und ein Feuerwehrhauptmann, der nach Bränden sucht, treten hinzu und erzählen sinnlose Anekdoten. Die Konversation entgleist immer weiter, bis die Sprache in reine Klangfetzen, Wiederholungen und zusammenhanglose Silben zerfällt. Eine „kahle Sängerin" kommt nie vor; auf die beiläufige Frage nach ihr antwortet man nur, sie trage „immer dieselbe Frisur". Am Ende beginnt das Stück von vorn — nun mit den Martins anstelle der Smiths.
Kulturelle Bedeutung
„Die kahle Sängerin" ist der Gründungstext des absurden Theaters und eine radikale Sprachkritik: Sie führt vor, wie die bürgerliche Kommunikation zur leeren Hülse erstarrt. Am Pariser Théâtre de la Huchette wird das Stück seit 1957 ununterbrochen gespielt und gilt als die am längsten laufende Theaterproduktion der Welt. Ionesco wurde damit neben Beckett zum wichtigsten Vertreter des Absurden.
